Rolf Hochhuth im SLA

Der deutsche Schriftstellers Rolf Hochhuth, der mit seinem Erstlingsdrama «Der Stellvertreter» (1963) international bekannt wurde, ist am 13. Mai 2020 89-jährig in Berlin gestorben.

Porträt von Rolf Hochhuth
Rolf Hochhuth an einer Lesung in Köln, 2009
© A. Savin/Wikimedia Commons (2009)

Rolf Hochhuth, 1931 im hessischen Eschwege geboren und lange Zeit in Basel wohnhaft, war nach einer Buchhändlerlehre zunächst Verlagslektor, schliesslich ab 1963 freier Schriftsteller und Publizist. 

Mit seinem Debutstück «Der Stellvertreter», unter der Regie des Brecht-Mentors Erwin Piscator am West-Berliner Theater am Kurfürstendamm uraufgeführt, betrat Rolf Hochhuth am 20. Februar 1963 die deutschen und unmittelbar danach die internationalen Bühnen mit einem veritablen Theaterskandal. Sein «christliches Trauerspiel» klagte das Schweigen des Vatikans und Papst Pius XII zum Holocaust als Mitschuld an der Judenvernichtung an und begründete zusammen mit den Dramen von Peter Weiss und Heinar Kipphardt das deutschsprachige Dokumentartheater der 1960er-Jahre. Der Stellvertreter wurde nicht nur auf allen grossen Bühnen der Welt gespielt und sein Autor weltberühmt – es löste auch eine der heftigsten ästhetischen und politischen Debatten der deutschen Nachkriegsliteratur aus. 

Hochhuth, dessen Oeuvre neben zahlreichen Theaterstücken, Prosawerken und Lyrik auch eine Vielzahl journalistischer und essayistischer Texte umfasst, widmete sich zeitlebens den grossen historischen und politischen Themen des 20. Jahrhunderts und evozierte zahlreiche öffentliche Kontroversen: sei es mit der Tragödie «Soldaten». «Nekrolog auf Genf» (1967) zum Bombenkrieg der Alliierten, mit der Erzählung «Eine Liebe in Deutschland» (1978) bzw. dem Stück «Juristen» (1979) zur NS-Vergangenheit des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger, mit «Wessis in Weimar. Szenen aus einem besetzten Land» (1993) oder «McKinsey kommt» (2004). 

Rolf Hochhuth war ein geschichtsphilosophischer Pessimist, der dennoch an das aufklärerische Potenzial des Theaters und an die moralische Verantwortlichkeit des Individuums glaubte. Sein Archiv, das seit dem Ankauf 1996 sukzessive ins SLA gekommen ist, beeindruckt nicht zuletzt durch die exklusive Korrespondenz mit zahlreichen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, von Hannah Arendt und Karl Jaspers, Hans Saner, Willy Brandt, Ernst Jünger, Golo Mann und Fritz J. Raddatz bis Paul Sacher und Carl Zuckmayer.

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Letzte Änderung 26.05.2020

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