Jean Bollack im SLA

Jean Bollack wird 1923 im Elsass in eine jüdische Familie geboren. Er ist knapp zwei Jahre alt, als seine Familie das Elsass verlässt, um auf der anderen Seite der Grenze in Basel zu leben. Die Veränderung ist nicht nur geografischer, sondern auch sprachlicher und kultureller Natur: Deutsch kommt zum Französischen hinzu und Jean Bollack wächst fortan zweisprachig auf. 

Jean Bollack
Jean Bollack mit seiner Grossmutter mütterlicherseits Diane Kahn (geb. Bollack)
© Familie Bollack, Foto: Schweizerische Nationalbibliothek, Simon Schmid

Einige Jahre später, noch während seiner Zeit am Humanistischen Gymnasium, nimmt Bollack an Seminaren der Universität Basel teil. Dort unterrichtet ihn Peter von der Mühll in kritischer Philologie, die Bollack später «deutsche Philologie» nennen wird. Bei Albert Béguin, der in Basel französische Literatur lehrt, entdeckt Bollack die Lyriker der Résistance sowie zeitgenössische Dichter wie Saint-John Perse, René Char und André Frenaud. Er setzt sein Studium an der Sorbonne fort, wo er zwischen 1951 und 1965 unter der Betreuung von Pierre Chantraine seine Habilitationsschrift über Empedokles verfasst. 

Von 1955 bis 1958 leitet er Seminare zu Empedokles und Parmenides an der Freien Universität Berlin. Dort trifft er Peter Szondi, der die deutsche Literaturhermeneutik modernisierte. Bei ihm findet Bollack die nötige geistige Verbundenheit, um die Grundsätze seiner kritischen Philologie der französischen und deutschen Literatur zu formulieren. Dank ihm lernt er auch den Dichter Paul Celan kennen.

1958 wird er an der Universität Lille zum Professor für griechische Sprache und Literatur ernannt. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Mayotte und dem Wissenschaftler Heinz Wismann baut Bollack dort ab 1967 das Forschungszentrum für Philologie und Hermeneutik («Centre de recherche philologique de Lille») auf. Anfangs beteiligen sich Forscher wie Philippe Rousseau, Pierre Judet de la Combe, André Laks, Barbara Cassin und Fabienne Blaise. Später kommen Christoph König, Denis Thouard, Werner Wögerbauer, Rossella Saetta-Cottone und andere dazu.

Bis zu seinem Tod 2012 setzt Bollack seine intensive Lektüretätigkeit von antiken und modernen Texten fort, oftmals gemeinsam mit seiner Ehefrau und seinen Mitarbeitenden. Er veröffentlicht zahlreiche Studien und Übersetzungen griechischer Autoren wie Homer, Empedokles, Heraklit, Parmenides, Aischylos, Euripides und Sophokles. Unter den modernen Autoren interessiert er sich insbesondere für Paul Celan und andere Dichter wie Rainer Maria Rilke oder Saint-John Perse.

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Letzte Änderung 09.08.2021

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