100. Geburtstag Jean Starobinski (1920–2020): Virtuelle Ausstellung

Auf Initiative des SLA und von EPFL+ECAL Lab haben während zwei Jahren Expertinnen und Experten der Literatur-, Museums- und Ingenieurwissenschaft, des Designs und der Psychologie an einem breit angelegten virtuellen Ausstellungsprojekt über Jean Starobinski zusammengearbeitet. Die Ausstellung Relations critiques hat den Preis «Le Meilleur du Web» 2020 in der Kategorie User Experience gewonnen.

Centenaire Jean Starobinski
© EPFL+ECAL Lab et BN

Starobinski wurde vor hundert Jahren in Plainpalais in Genf geboren. Er entwickelte in seiner langen Laufbahn eine Form der kritischen «Methode», oder vielmehr eine kritische Geste, die nie dogmatisch war, kaum Modeströmungen unterlag und sich jeder Klassifizierung entzog – im Schnittpunkt zwischen Ideen-, Wissenschafts-, Literatur- und Kunstgeschichte, Philosophie und Psychoanalyse. Darüber hinaus beobachtete, dokumentierte und kommentierte er in seinen Studien die Geschichte der Kritik und die Kritik der Kritik in einer Zeit, in der solche Debatten noch auf den Frontseiten der grossen Zeitungen geführt wurden. Diese metakritische Lektüre steht im Zentrum unseres Ausstellungsprojekts und zeigt Jean Starobinskis Arbeit in den vielen Bereichen, mit denen er sich befasste.

Die erste Version dieser digitalen Ausstellung, die am 26. November 2020 eröffnet wird, experimentiert mit verschiedenen, online zu entdeckenden Schlüsselkonzepten. In einem davon können die Besucherinnen und Besucher die Hauptausstellung in Themeninseln durchlaufen. Je nach Wunsch können sie nun entscheiden, ob sie einen Gegenstand unter einer neuen Perspektive betrachten wollen: Dann verschwindet das Thema und der Gegenstand stellt sich in einen historischen oder typologischen Kontext – als würden die Räume eines Museums neu konfiguriert und die Inhalte neu zusammengefügt. Die Besuchenden können so ihren Weg nach ihren eigenen Erwartungen und Entdeckungen wählen.

Als Jean Starobinski 1970 beim Erscheinen von La Relation critique gefragt wurde, warum und wogegen er schreibe, sagte er: «Gegen die Dunkelheit, das Chaos, das Vergessen, den Tod? Um besser zu verstehen und verständlich zu machen. (Verstehen heisst, die Welt verwandeln) ».

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