Was hat die Speise «Cholera» mit der gleichnamigen Krankheit zu tun?

Frage einer Touristin      

Auf der Speisekarte eines Restaurants im Oberwallis ist mir ein Gericht mit der Bezeichnung «Cholera» aufgefallen. Nachdem mir die Bedienung versichert hat, dass ich diese lokale Spezialität ohne gesundheitlichen Bedenken essen könne – und das Essen gut geschmeckt hat –, möchte ich gern wissen, ob der Name in einem Zusammenhang steht mit der Krankheit, die früher bestimmt auch in der Schweiz vorkam.  

Zwei Amulette mit den Herzen Jesu und Mariä sowie ein ovales Herz-Jesu-Bildchen, welche in katholischen Gegenden als magisch-religiöse Zeichen gegen die Cholera über Brust und Schultern getragen wurden.
Schutzzeichen gegen die asiatische Cholera: Sie wurden in der katholischen Innerschweiz im 19. Jh. am Körper getragen
© Historisches Museum Luzern (Kurt Lussi), NB-Signatur Pq 28351/1

Tatsächlich war die ursprünglich asiatische Krankheit Cholera auch in der Schweiz ein Problem: Gemäss dem Historischen Lexikon der Schweiz (HLS) suchte sie die europäischen Länder im 19. Jahrhundert heim. In der Schweiz forderten mehrere Cholera-Epidemien Hunderte von Toten. Erst die Verbesserung der hygienischen Bedingungen in den Städten Ende des 19. Jahrhunderts schuf dauerhaft Abhilfe. Den Kampf gegen die Cholera im Kanton Wallis hat Mireille Erni-Carron in ihrer 1992 publizierten Lizentiatsarbeit untersucht.

Ob der Name der kulinarischen Spezialität Cholera auf die gleichnamige Krankheit zurückzuführen ist, scheint nach sprachwissenschaftlicher Einschätzung wenig wahrscheinlich zu sein. Christoph Landolt, Ko-Leiter des Schweizerischen Idiotikons, hält eine andere Herleitung des Namens für plausibler: Zum Backen wurde die Pfanne mit der Cholera in die Kohle, walliserdeutsch Chola oder Cholu gelegt, wobei auch der Vorraum vor dem Ofen im Wallis Cholära hiess. Von da wäre die Bezeichnung dann auf die Speise übertragen worden.

«Üsserschwyzer», wie im Oberwallis die Schweizer/innen von ausserhalb des Wallis genannt werden, und Gäste aus dem Ausland reagieren gleichermassen irritiert, wenn sie zum ersten Mal einer Speise mit dem Namen Cholera begegnen. Spätestens nach dem Essen des leckeren Gerichts interessieren sie sich dann fürs Rezept. Die Zubereitungsarten variieren stark, obschon es sich um eine einfache Speise mit lokalen Zutaten, teils aus dem eigenen Garten, handelt. Jede Familie stellt sich vor, das beste und einzig «echte» Rezept zu kennen und an die nächste Generation weiterzugeben.

 

Weitere Literatur zur Krankheit Cholera in der Schweiz:

 

Letzte Änderung 01.07.2019

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