Soldaten, die während einer Militärparade Tarnkleidung oder identische Uniformen tragen, sind Beispiele für ein einheitliches Erscheinungsbild (lateinisch: una forma), das militärische Macht repräsentiert. Kontrastierend dazu präsentieren die Zeichnungen des Militärgewands der Päpstlichen Schweizergarde aus der Feder Adolf Pochons farbenprächtige, vielfältig variierende Kleider.
Von Christina Gerber

Wer kennt sie nicht - die prunkvolle, farbige Uniform der Päpstlichen Schweizergarde mit weisser Halskrause, gebauschten Ärmeln und Pluderhosen. Dieses vom Kommandanten Jules Maxime Repond (1853-1933) eingeführte blau-rot-gelbe Militärgewand wurde den Uniformen aus dem 16. Jahrhundert der Anfangszeit der «Wächter des Papstes» nachempfunden und wird seit 1914 von der Päpstlichen Schweizergarde getragen. Diese Uniform – für Repräsentationszwecke genutzt – wird auch Galauniform genannt. Daneben kleiden sich die Gardisten in der schlichten in blau gehaltenen Exerzieruniform, in der Trainingsuniform oder gar im Anzug, wenn sie im Nahschutz im Einsatz sind. Die Tambouren der Päpstlichen Schweizergarde tragen andere, nämlich gelb-schwarze Uniformen, die Offiziere eine Kleidung in rotem Samt. Spätestens hier wird deutlich, dass sich die Militäruniformen einerseits mit der Zeit wandelten und dass sie sich andererseits je nach Zweck und Dienstgrad voneinander unterscheiden.
Kleider machen Soldaten

Die detailgetreue Darstellung unterschiedlicher Dienstgrade wird bei dem Vergleich zweier Zeichnungen eines Oberstleutnants und eines rangniederen Korporals von 1850 deutlich. Es sind vor allem Accessoires ausschlaggebend, die die unterschiedlichen Militärgrade kennzeichnen:Schlichteres Schuhwerk gegenüber festen Schuhen, ein schmaler neben einem breiten Gürtel oder ein knielanges anstatt eines bodenlangen Schwertes markieren deutlich, dass ein Korporal einem Oberstleutnant untergeordnet ist. Während der Korporal einen Tschako (zylinderartige Kopfbedeckung) mit Pompon trägt, sitzt auf dem Kopf des Oberstleutnants einer mit Pinsel. Auch Ärmel und Kragen der Jacke sowie die Farbe des Tschakos unterscheiden sich und zeigen, wer wem über- bzw. untergeordnet ist.
Klangfarben mit Farbklängen
Auch das Tenue des Musikkorps der Päpstlichen Schweizergarde ist äusserst facettenreich gestaltet. Da bei der Aufführung von Militärmusik visuelle Eindrücke und Klangimpressionen aufeinandertreffen, spielt die äusserliche Erscheinung der Musizierenden eine signifikante Rolle. Vergleicht man das Wintertenue des Tambouren von 1831 mit dem Sommertenue, so fällt auf, dass sowohl die winterliche wie auch die sommerliche Paradeuniform mit Epauletten verziert ist, was einen festlichen Eindruck erweckt. Der doppelte rote Pompon schmückt in der warmen Jahreszeit einen Schatten spendenden Tschako, in der Kälte eine wärmende Fellmütze. Bei sommerlichen Temperaturen wird eine dünne, helle, luftige Hose getragen, im Winter hingegen eine dunkle, dickere Hose mit schmückenden Streifen.
Kostümwechsel im Zeitraffer

Betrachtet man Pochons Aquarellzeichnungen der Uniformen der Päpstlichen Schweizergarde in der Zeitspanne von 1793 bis 1860, wird der Wandel der Uniformen im Laufe der Zeit sehr gut nachvollziehbar. Je nach Ordonnanz sind neue Farben eingeführt oder Änderungen an Bekleidungsstücken oder Ausrüstungsgegenständen angeordnet worden. Manchmal besinnt man sich in einer Ära auch wieder auf eine andere Zeit zurück.
Während in den Bildbeispielen unten der Wachtmeister von 1793 einen metallenen Bürstenhelm, Harnisch, einen leicht über die Taille gehenden Rock und eine rote gepluderte Hose mit breiten blauen Streifen trägt, ist 1797 der Rock hüftlang und die rote Pluderhose mit schmalen, hellen Streifen versehen. 25 Jahre später ist die Hose gänzlich rot, der hüftlange Rock nicht mehr in blauer, sondern in schwarzer Farbe gehalten. Die Strümpfe, die Ende des 18. Jahrhunderts hell waren, sind nun rot. Weitere 20 Jahre später wechselt die Strumpffarbe zu braun, auch in der Hose finden sich neben Rottönen braune Farben wieder. Der Rock ist in einem dunklen Blau gehalten. Das Tenue von 1860 erinnert an jenes aus den 1820er Jahren mit schwarzem Rock und rotem Beinkleid.

Die Aquarelle der Uniformen der Päpstlichen Schweizergarde stehen in ihrer Mannigfaltigkeit stellvertretend für mehr als 1'000 weitere Uniformen aus der Hand Adolf Pochons. Sie präsentieren die Militärgarderobe von verschiedenen Schweizer Regimentern und von Truppen fremder Dienste in jeglichen Facetten: über verschiedene Zeitepochen hinweg, diverse Dienstgrade illustrierend, unterschiedlichen Zwecken gewidmet sowie mit detailgetreuen Accessoires versehen, wie Kopfbedeckungen, Schuhwerk, Gürteln, Fahnen oder gar Instrumenten.
Anhand der Bilder von Adolf Pochon wird die Schweizer Militärgeschichte und die vielseitige Welt der Uniformenkunde lebendig.
Adolf Pochon (geboren 1869 in Cortaillod, gestorben 1931 in Bern), Ausbildung zum Goldschmied in Deutschland. 1898 Heirat mit Lina Anna Demme. 1899 Übernahme des Geschäfts seines Vaters gemeinsam mit seinem Bruder Hans Pochon. Mitarbeiter des Historisch-Biographischen Lexikons der Schweiz, Vorstandsmitglied der Schweizer Gesellschaft für eine historische Sammlung aus der Zeit des Weltkrieges. Sammler, Zeichner und Kopist von Militäruniformen.
In der Graphischen Sammlung der NB befindet sich das Archiv Adolf Pochons, welches mehr als 1'400 seiner Zeichnungen und Aquarelle von historischen Militäruniformen umfasst.
Literatur und Quellen
- Adolf Pochon: Das Berner Regiment von Erlach in kgl. französischem Dienst 1672-1792. Bern-Bümpliz: Benteli, 1933.
- Adolf Pochon: Schweizer Militär vom Jahr 1700 bis auf die Neuzeit. Bern: Scheitlin, Spring & Cie., 1906-1911.
- Gebrüder Pochon AG Bern. In: Die Berner Woche, Bern: Berner Woche, Bd. 33 (1943), Heft 9, S. 238.
- Urban Fink, Hervé de Weck, Christian Schweizer (Hrsg.): Hirtenstab und Hellebarde : die päpstliche Schweizergarde in Rom 1506-2006. Zürich: Theologischer Verlag Zürich, 2006, S. 302.
- Uniformen. In: Päpstliche Schweizergarde. [Letzter Zugriff: 19.06.2024]
Letzte Änderung 05.02.2026
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