Mein Schweizer Schatz: Kunst = Gestaltung / Gestaltung = Kunst

Karl Gerstner: Farbkreisel «Ohne Titel»
Karl Gerstner: Farbkreisel «Ohne Titel»

In keinem Fall unter sein Niveau zu gehen war der Anspruch, den der Künstler und Grafiker Karl Gerstner an seine Arbeit stellte. Dieser muss ihn auch angetrieben haben, als er sich anschickte, einen Rückblick auf ein halbes Jahrhundert seines Schaffens zusammenzustellen: «karl gerstner. Rückblick auf 5 x 10 Jahre Graphik Design etc.», 2001 von Manfred Kröplien bei Hatje Cantz herausgegeben. Mein «Schweizer Schatz» ist ein Appetitanreger – eine Schatzkarte zum eigentlichen Schatz, der als «Archiv Karl Gerstner» in der Graphischen Sammlung der Schweizerischen Nationalbibliothek liegt.

Das spannende und aufschlussreiche Überblickswerk führt einerseits in die Geschichte der Schweizer Grafik und Typologie der 1950er bis 1990er Jahre ein; anderseits ist das prall gefüllte «Bilderbuch» eine optische Autobiographie Karl Gerstners. Was er in seiner Retrospektive Revue passieren lässt, ist ein Konzentrat seines Leitgedankens, Dinge des täglichen Lebens wie Kunstwerke und Kunstwerke wie Dinge des täglichen Lebens zu gestalten.

In der aufwändig konzipierten Publikation führt uns Gerstner durch fünf Jahrzehnte seiner Arbeit, wobei jedes Jahrzehnt durch ein Schwerpunktthema geprägt ist: «Sturm und Drang» in den 1950er Jahren, als Gerstner als junger Grafiker bei Ciba Geigy die Werbewelt aufzumischen begann, «GGK» in den 1960er Jahren, als er zusammen mit Paul Gredinger und Markus Kutter eine der erfolgreichsten Werbeagenturen betrieb, die unter anderem durch die Swissair oder die Shell Werbekampagnen weltweit Aufsehen erregte. Die 1970er Jahre «wieder solo», «Corporate Identities» als Schwerpunkt in den 1980er Jahren und «Gelegenheitsdesigner» in den 1990er Jahren.

Jeder Schaffensperiode stellt Gerstner einen Einleitungstext voran – optisch abgehoben auf weissem Grund. Auf mitreissende Art und Weise und in flüssigem Erzählstil vermittelt Gerstner darin Sachinformationen vermengt mit autobiografischen Angaben und persönlichen Einschätzungen.

Die reichhaltige Auswahl der Arbeitsproben ist mit überraschenden Bildern auf graubraunem Hintergrund edel präsentiert: Es finden sich Werbeanzeigen, Buchgestaltungen, Illustrationen, Grafiken, Labels, Logos, Plakate, Schriftentwürfe und vieles mehr, jeweils knapp erläutert durch persönlich gefärbte Erklärungstexte.

Auf blauem Grund schliesslich macht Gerstner «Überlegungen grundsätzlicher Art». Er wählt Auszüge aus eigenen Publikationen und Vorträgen, die einen Blick hinter die Kulissen und in seine Arbeitsweise erlauben. Damit erhält das Buch einen teilweise didaktischen Charakter, ohne aber als Lehrbuch gedacht zu sein.

Einige der hier gezeigten Arbeiten wurden nie ausgeführt, manchmal solche, die Gerstner zu seinen besten zählte. Sie erhalten mit dieser Publikation ihre Plattform.

Kathrin Gurtner
Stv. Leiterin Graphische Sammlung Digital

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Letzte Änderung 03.07.2018

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