Mein Schweizer Schatz: die Luftbilder von Kopp und Zaugg

Das Malcantone im Kanton Tessin ist mir ans Herz gewachsen – hier verbringe ich mit meiner Familie immer wieder und sehr gerne einige Ferientage! Nur schon in den rund 20 Jahren, seit denen ich diese Gegend kenne, konnte ich miterleben, wie sich die Dörfer und die Landschaft verändern: An den einen Orten entstanden Neubauten ausserhalb der historischen Siedlungen, während weiter abgelegene Flecken aufgegeben wurden und der Wald sie zurückerobert. Wie sah es hier wohl vor 50 oder 100 Jahren aus?

Zum Glück arbeite ich in der Graphischen Sammlung der Schweizerischen Nationalbibliothek, wo wir unter anderem einen sehr grossen Bilderschatz (über 500’000 Fotografien) mit vielen historischen Aufnahmen aus der ganzen Schweiz hüten. Und darin entdeckte ich die beiden vielfältigen Sammlungen von Hugo Kopp und von Paul Zaugg. Beide fertigten zur Zeit des grossen Wirtschaftsaufschwungs der 1950er und 1960er Jahre in den meisten Landesteilen selber Luftaufnahmen an und verkauften diese dann als Ansichtskarten. Hugo Kopp betrieb einen eigenen Verlag in Zürich-Witikon. Paul Zaugg stammte aus Solothurn und arbeitete vorwiegend für die Photoglob-Wehrli AG.

 

Die neuen technischen Möglichkeiten von Fotografie und Aviatik ermöglichten es Kopp und Zaugg, im grossen Stil die Schweiz zu befliegen und Landschaften und Siedlungen auf ihren Fotografien festzuhalten. Ich stelle mir vor, dass dies auch einige Jahrzehnte nach den eigentlichen Pionieren der Luftfotografie (wie Eduard Spelterini oder Walter Mittelholzer) immer noch eine recht abenteuerliche, aber sicher auch sehr spannende Tätigkeit war!

Ihre Aufnahmen erlauben einen spannenden Einblick in die Schweiz, wie sie Mitte des letzten Jahrhunderts ausgesehen hat: Am Wendepunkt vom noch mehrheitlich landwirtschaftlich geprägten «Heimatland» hin zu einer mehr und mehr von Industrie-, Verkehrs- und Wohnbauten vereinnahmten Landschaft.

Dank Kopp und Zaugg sind heute nicht nur die bekannten und immer wieder abgelichteten Orte gut dokumentiert, sondern auch zahlreiche kleine Dörfer und Weiler. So fand ich denn auch aus dem Malcantone Aufnahmen, welche Paul Zaugg ca. 1954 gemacht hatte. Auf der hier abgebildeten Aufnahme von Novaggio sieht man die kleinen bewirtschafteten und oft auch terrassierten Landwirtschaftsflächen sehr schön, während die Siedlungsfläche noch kaum über den historischen Dorfkern hinausgewachsen ist. Welch ein Gegensatz zum heutigen Anblick auf dem Luftbild von swisstopo!

 
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Novaggio TI, Ansicht von Süden, ca. 1954, Fotograf: Paul Zaugg

Die Neue Zürcher Zeitung fand ebenfalls Gefallen an diesen Luftbildern. Sie präsentierte 2019 eine Auswahl von rund 30 Aufnahmen von Hugo Kopp in der Beilage NZZdomizil sowie auf ihrer Website.

 

Die Aufnahmen von Kopp und Zaugg stehen – wie sämtliche Bildbestände der Graphischen Sammlung – allen Interessierten zur Einsicht zur Verfügung. Bitte kontaktieren Sie uns mit Ihrem Anliegen, wir geben Ihnen gerne Auskunft darüber, was Sie bei uns erwartet und ob sich ein Besuch vor Ort lohnen könnte.

 

Beat Scherrer
Wissenschaftlicher Mitarbeiter Graphische Sammlung Digital

 
 

Letzte Änderung 06.11.2019

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