Internationalismus und die Schweiz

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Parallel zur Gründung der Schweizerischen Nationalbibliothek sah sich die Welt mit einer Globalisierungswelle konfrontiert. Um die Fragen und Herausforderungen gemeinsam lösen zu können, wurden um 1895 viele internationale Organisationen geschaffen – einige davon mit Sitz in der Schweiz.

Das Bild zeigt das steinerne Welpostdenkmal auf der Kleinen Schanze in Bern. Links oben ist das Symbol des Weltpostvereins zu erkennen, das verschiedene Personen bei der Übermittlung von Briefpost um den Globus zeigt. Rechts im Bild liegt entpannt eine Steinfigur, die wohlwollend das Treiben oben rechts im Bilb betrachtet. Im Vordergund des steinernen Denkmals ist ein kleiner Teich zu erkennen.
Weltpostdenkmal auf der Kleinen Schanze in Bern
© Schweizerische Nationalbibliothek, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege: Archiv Photoglob-Wehrli

Das Kommunistische Manifest von 1848 schliesst mit der berühmten Aufforderung «Proletarier aller Länder, vereinigt Euch». Damit setzten Karl Marx und Friederich Engels 1848 ein Fanal für grenzüberschreitende Solidarisierung und Zusammenarbeit unter Arbeiterinnen und Arbeitern: den modernen Internationalismus in ihrem Sinn.

Der Begriff des Internationalismus blieb lange eng mit dem Sozialismus verknüpft. So organisierte sich die Arbeiterbewegung in der «Sozialistischen Internationale». Diese versuchte im ausgehenden 19. Jahrhundert, das Arbeitsrecht und den Arbeiterschutz grenzübergreifend zu verankern. Am «internationalen Kongress für Arbeiterschutz» von 1897 in Zürich wurde unter anderem die Grundlage für die Schaffung der «Internationalen Arbeitsorganisation» (ILO) gelegt, welche 1920 als Einrichtung des Völkerbundes in Genf ihre Arbeit aufnahm.

Die internationale Rot-Kreuz-Bewegung

Nicht nur im Sozialismus zeigte sich die Notwendigkeit,  Probleme aus einer multilateralen Perspektive anzugehen. Viele wirtschaftliche, infrastrukturelle, politische, moralische und kulturelle Zeiterscheinungen verlangten nach übernationalen Standards und Zusammenarbeit der Länder. Und so wurden mehr und mehr internationale Organisationen ins Leben gerufen: 1863 gründete Henry Dunant in Genf das «Internationale Komitee vom Roten Kreuz» (IKRK) mit dem Ziel, die Regeln der Verwundetenpflege in kriegerischen Auseinandersetzungen auf eine weltumspannende, humanistische Grundlage zu stellen.

Der Verkehr, das Postwesen und der Sport verbinden die Welt 

Doch auch technische Herausforderungen verlangten nach grenzübergreifenden Ordnungen. In Bern wurde 1893 das «Zentralamt für den internationalen Eisenbahnverkehr» (heute: «Zwischenstaatliche Organisation für den internationalen Eisenbahnverkehr» OTIF) eröffnet. Dieses Amt hatte zum Ziel, Fahrpläne zu koordinieren sowie technische Vereinheitlichungen – wie Spurbreiten – unter den Mitgliedstaaten zu fördern. Ebenfalls in Bern hatte sich bereits 1874 der «Weltpostverein» (UPU) angesiedelt, der schon früh für die Überwindung der nationalen Grenzen und die Zusammenarbeit der Staaten im Postverkehr sorgte.

Zudem entwickelte sich der Sport zur Freizeitbetätigung, und es kam der Wunsch auf nach internationalen Wettkämpfen. 1896 wurden in Anlehnung an die Antike erstmals moderne olympische Spiele in Athen ausgetragen. Das 1894 in Paris gegründete Internationale Olympische Komitee (IOK) verlegte seinen Sitz nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1915 permanent nach Lausanne – in die neutrale Schweiz.

Die Schweiz und die internationalen Organisationen – eine Win-Win-Situation?

In Anbetracht ihres neutralen Sonderstatus erstaunt es wenig, dass die Schweiz viele internationale Organisationen beherbergte. Neben der Neutralität waren es die zentrale Lage, die starke Ausprägung des Vereinswesens sowie die starke Exportorientierung, welche den Standort als Sitz für internationale Organisationen attraktiv machte. Durch diese Niederlassungen konnte die Schweiz ihr aussenpolitisches Profil schärfen und sich als Partner auf dem diplomatischen Parkett behaupten. 

Die Schweizerische Nationalbibliothek (NB), die zeitlich nahe an zahlreichen internationalen Organisationen gegründet wurde, verstand sich seit Beginn als Partnerin anderer Nationalbibliotheken, unter anderem bei der Erstellung international kompatibler Bibliografien. Dadurch spielte die NB selbst eine Rolle im Prozess der Internationalisierung um 1900. Ferner bot sich die NB als Depositarin der Publikationen diverser internationaler Organisationen mit Sitz in der Schweiz an. So finden sich heute zahlreiche Dokumente, die sonst keinen Schweizbezug aufweisen, im Bestand der «Internationalen Vereinsschriften» der NB wieder.

Weitere Literatur und Quellen:

Vereinsschriften in der Schweizerischen Nationalbibliothek: 

Internationale Kongresse für Arbeiterschutz: V Int. 59

Internationales Arbeitsamt Genf = Bureau internationale du travail = International Labour Organization: V Int 62

Internationales Rotes Kreuz (IKRK) = Comité Internationale de la Croix Rouge (CICR): V Int 915

Zentralamt für den internationalen Eisenbahnverkehr: V Int 316

Union postale universelle, UPU: Int 828

Comité internationales olympique, CIO: V Int 750

Letzte Änderung 15.10.2020

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