Von der FloppyDisk zum iMac

Laptops, Floppys, iMacs und Harddiscs: Schreibwerkzeuge und Speichermedien aus dem Magazin des Schweizerischen Literaturarchivs. 

Von Kristel Roder

Schon lange liegen im Magazin des Schweizerischen Literaturarchivs nicht nur Manuskripte, Schreibmaschinendurchschläge und Notizhefte. Seit der Computer in den 1980er-Jahren für private Haushalte erschwinglich wurde, ist das Schreibgerät auch für viele Schweizer Autorinnen und Autoren nicht mehr aus ihren Arbeitszimmern wegzudenken. 

Aufgetaucht Computer und Datenträger
Laptops, Floppys, iMacs und Harddiscs: Schreibwerkzeuge und Speichermedien aus dem Magazin des Schweizerischen Literaturarchivs. (Foto: NB, Simon Schmid)

Bereits im allerersten Nachlass, den das Schweizerische Literaturarchiv im Gründungsjahr 1991 übernommen hat – jenem von Friedrich Dürrenmatt –, befinden sich etwas mehr als einhundert digitale Datenträger. Dürrenmatt selbst hat bekanntermassen nicht getippt, die Abschriften stammen von seinen Sekretärinnen. Dennoch liessen bereits die Beschriftungen der 5¼-Floppys erahnen, dass sich auf den Datenspeichern Bearbeitungen von Werkmanuskripten befinden, welche das Papier-Archiv um weitere wichtige Dokumente ergänzen. Obwohl der Umfang der Datenmenge bei Dürrenmatt (zusammengerechnet knapp 30 Megabytes) noch sehr überschaubar ist, zeigt dieses erste Beispiel schon relativ eindrücklich, mit welchen Herausforderungen das Literaturarchiv durch den Medienwandel vom Analogen ins Digitale plötzlich konfrontiert wurde. 

Bei den Dürrenmatt-Disketten handelt es sich um Sicherungskopien. Ohne das originale IBM-Textverarbeitungsprogramm lassen sich die Dokumente jedoch nicht mehr öffnen. Mehrere Versuche, die Texte zu sichten, scheiterten. Erst mit Hilfe des Kryptologie-Detachements der Schweizer Armee war es möglich, die Inhalte zu dechiffrieren und den Archivarinnen zugänglich zu machen. Ein Aufwand, der sich im Fall Dürrenmatts durchaus gelohnt hat: Mehrere der gefundenen Texte wurden in der 2021 erschienenen «Stoffe»-Edition Dürrenmatts erstmalig publiziert. Seit 2017 hat das Schweizerische Literaturarchiv mehr Möglichkeiten im eigenen Haus, sich solcher digitalen Problemfälle anzunehmen. 

Ob eine digitale Rettungsaktion so ertragreich ist wie im Fall Dürrenmatts, kann den Geräten leider von aussen nicht angesehen werden. Im Archiv von Mariella Mehr etwa wurde die ausgebaute Harddisk eines Atari-Computers gefunden. Während das Modell in den späten 80er-Jahren in vielen privaten Haushalten stand, gilt es knapp vierzig Jahre später höchstens noch als Sammlerstück. Damit die Harddisk «ausgelesen» werden konnte, musste antiquarisch ein «Organspender-Gerät» gefunden werden, das den Zugang zu den Daten wieder ermöglichte – immer auf die Gefahr hin, dass die Archivare darauf nichts finden als eine Einkaufsliste und ein altes Sudoku. Was sich auf dem Atari von Mehr befindet, muss noch ausgewertet werden. 

Ein weiteres Beispiel dafür, dass sich der Aufwand oft durchaus lohnt, sind die digitalen Daten von Werner Morlang. Während im Papier-Archiv des Autors nur Briefe an den Germanisten und Literaturvermittler Morlang lagen, wurden auf dem iMac des Autors seine Briefkopien gefunden. So konnte durch die Erschliessung der digitalen Daten die Korrespondenz komplettiert werden.Die Arbeit im Archiv und in der Konservierung wird zunehmend zur technischen Tüftlerei. Immer mit dem Ziel, die Daten zu sichern und sie in stabilen Datenformaten langfristig für das Publikum zugänglich zu machen.

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Letzte Änderung 02.05.2022

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