Im August 2025 mussten alle Ringkuhkämpfe im Wallis bis auf Weiteres abgesagt werden. Aufgrund einer hochansteckenden Tierseuche war die Durchführung von Festen mit zahlreichen Tieren aus dem ganzen Kanton zu riskant. Der Brauch, bei dem Kühe der Eringerrasse um den Titel «Königin der Königinnen» kämpfen, wird seit Anfang des 20. Jahrhunderts gepflegt.
Als Staatsform geniesst die Monarchie in der Schweiz wenig Sympathie. Jedoch wird alle drei Jahre ein Schwingerkönig gekürt und im Wallis kämpfen Kühe der robusten Eringerrasse jeden Frühling um den Titel «Königin der Königinnen». Die Kampfeslust ist den Eringern angeboren: So bestimmen die Herden jeweils auf den Sommeralpen ihre Leitkuh.
Dieses natürliche Verhalten liegt dem Brauch der Ringkuhkämpfe zugrunde, der im Wallis seit Anfang des 20. Jahrhunderts gepflegt wird. Unter dem Titel «Viehzucht und Kuhkämpfe» stehen die Walliser Kuhkämpfe seit 2018 auf der «Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz».
«Urgewalt und Sanftheit»
Die Eringerrasse trägt ihren Namen vom Eringertal (Val d’Hérens), einem südlichen Seitental des Rhonetals im Kanton Wallis. Sie gehört zu den ältesten Rinderrassen Europas. Die Kühe sind mittelgross, wirken aber aufgrund ihres stämmigen und muskulösen Körperbaus sehr imposant.
Besonders markant sind ihre dicken, gebogenen Hörner und das meist einfarbige, von schwarz bis rotbraun variierende Fell. Trotz ihres kämpferischen Charakters sind die Eringer dem Menschen gegenüber nicht aggressiv, sondern gutmütig.
Die Rasse ist gut an die klimatischen Bedingungen und das schwierige Gelände in den Alpen angepasst. Im Vergleich zu Hochleistungsrassen ist ihre Milch- und Fleischproduktion bescheiden. Die Produkte sind jedoch von hoher Qualität. Gehalten und gezüchtet werden die Tiere heutzutage hauptsächlich aus Leidenschaft der ihnen zugewandten Menschen.

Der jährliche Festzyklus
Die Saison der Ringkuhkämpfe beginnt jeweils im September und endet mit dem zweitägigen Finale an einem Maiwochenende. Zehn Wettkämpfe werden an wechselnden Orten ausgetragen, wobei jeweils eine andere lokale Genossenschaft von Züchtern und Züchterinnen der Eringerrasse die Organisation im Turnus übernimmt.
Das Finale des Jahres 2025 fand am 10. und 11. Mai in Sitten statt und endete mit einer überraschenden Siegerin: Entgegen allen Prognosen sicherte sich Nubie, eine Kuh der Familie Eyer aus Ried-Brig, den höchsten Titel. Angesichts der historischen Rivalität zwischen dem frankophonen Unterwallis und dem deutschsprachigen Oberwallis kann es nicht erstaunen, dass Nubies Sieg im Unterwallis als kollektive Niederlage empfunden wurde.
Starke Präsenz in den Medien
Das Finale der Ringkuhkämpfe wird live im nationalen Fernsehen, beispielsweise auf RTS, übertragen. Auch online und in den Printmedien wird ausführlich über die Kuhkämpfe berichtet. Nicolas Steiner würdigt in seinem Dokumentarfilm «Kampf der Königinnen» die kämpferischen Eringerkühe und die Menschen, die sie betreuen.Auch in der Bevölkerung erfreut sich der Brauch der Ringkuhkämpfe grosser Beliebtheit. In ihrer Begeisterung für den Brauch sind die beiden Walliser Landesteile so geeint wie sonst nur noch bei Spielen des FC Sion/Sitten.
Der Schock im Sommer 2025

Umso grösser war die Enttäuschung, als der Schweizerische Eringerviehzuchtverband im August sämtliche Ringkuhkämpfe sowie den Stiermarkt absagen musste. Diese einschneidende Massnahme war wegen der drohenden Lumpy-Skin-Krankheit (LSD) unvermeidlich. In Frankreich hatte der Ausbruch dieser hochansteckenden Seuche bereits dazu geführt, dass alle Tiere auf den betroffenen Betrieben getötet werden mussten.
Im Herdenbuch der Eringerrasse sind 12'000 bis 13’000 Tiere eingetragen; jährlich kommen etwa 6000 Kälber zur Welt. Für einen so kleinen Bestand an Tieren kann eine Krankheit wie LSD existenzbedrohend sein. In der Schweiz ist die Krankheit zwar noch nicht ausgebrochen, sie hat die französisch-schweizerischen Grenze aber beinahe erreicht. Für die Durchführung von Festen mit zahlreichen Tieren aus dem ganzen Kanton ist die Ansteckungsgefahr aktuell zu gross. Inzwischen wurde mehrere Tausend Tiere gegen LSD geimpft. Das nährt die Hoffnung, dass das für den 9. und 10. Mai 2026 geplante Nationale Finale der Königinnen in Pra Bardy, Sitten, stattfinden kann.
Literatur und Quellen
- Thomas Antonietti. Viehzucht und Kuhkämpfe. In: Die lebendigen Traditionen der Schweiz. Webseite des Bundesamts für Kultur (BAK)
- Theresa Beitl. «Urgewalt und Sanftheit – in jeder Kuh steckt beides». In: Walliser Bote, 15. Juli 2014, S. 4
- Combats de Reines. [Inserat]. In: Journal et feuille d’avis du Valais, 26. April 1924, S. 3
- Nicolas Gattlen (Text); Andri Pol (Fotos). Kampf der Königinnen. In: Geo Schweiz, 2005, Nr. 10 (Oktober), S. 1-26
- Yvonne Preiswerk; Bernard Crettaz (Hrsg.). Das Land, wo die Kühe Königinnen sind. Aus dem Franz. übertr., überarb. und erg. von Luzius Theler. Visp: Rotten-Verlag 1992
- Schweizerischer Eringviehzuchtverband
- Ruth Seeholzer: Keine Kuhkämpfe im Wallis wegen LSD, in: Radio SRF: Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 21. August 2025
Filme / Videos
- Jean-Pierre Clavien. Vive les reines: une race en péril. Télévision Suisse Romande TSR, 12 février 1986
- Ringkuhkämpfe – der Kampf der Königinnen. Fernsehen SRF, Tagesschau vom 5. Mai 2019
- RTS Radio Télevision Suisse. Combats des Reines. Retransmission annuelle de la grande finale nationale de la Race d'Hérens.
- Nicolas Steiner. Kampf der Königinnen. Dokumentarfilm 2011
- Linus van Moorsel. Kuhkämpfe im Wallis: Tradition oder unmoralisches Spektakel? Fernsehen SRF, «SRF Impact» vom 1.September 2022
Letzte Änderung 03.11.2025
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