Auf der Suche nach den kämpfenden Königinnen

Im August 2025 mussten alle Ringkuhkämpfe im Wallis bis auf Weiteres abgesagt werden. Aufgrund einer hochansteckenden Tierseuche war die Durchführung von Festen mit zahlreichen Tieren aus dem ganzen Kanton zu riskant. Der Brauch, bei dem Kühe der Eringerrasse um den Titel «Königin der Königinnen» kämpfen, wird seit Anfang des 20. Jahrhunderts gepflegt.

Als Staatsform geniesst die Monarchie in der Schweiz wenig Sympathie. Jedoch wird alle drei Jahre ein Schwingerkönig gekürt und im Wallis kämpfen Kühe der robusten Eringerrasse jeden Frühling um den Titel «Königin der Königinnen». Die Kampfeslust ist den Eringern angeboren: So bestimmen die Herden jeweils auf den Sommeralpen ihre Leitkuh.

Dieses natürliche Verhalten liegt dem Brauch der Ringkuhkämpfe zugrunde, der im Wallis seit Anfang des 20. Jahrhunderts gepflegt wird. Unter dem Titel «Viehzucht und Kuhkämpfe» stehen die Walliser Kuhkämpfe seit 2018 auf der «Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz».

Auf der Nahaufnahme stehen sich zwei behornte Eringerkühe mit gesenkten Köpfen gegenüber. Stirn gegen Stirn und mit weit geöffneten Augen messen sie ihr Stehvermögen. Um den Hals tragen sie Kuhschellen an breiten Lederriemen.
Kuhkampf in Veysonnaz, 27. Juni 2020 (Foto: Hadi, Wikimedia CC) https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Combat_des_reines_-_Veysonnaz_10.jpg?uselang=de

«Urgewalt und Sanftheit»

Die Eringerrasse trägt ihren Namen vom Eringertal (Val d’Hérens), einem südlichen Seitental des Rhonetals im Kanton Wallis. Sie gehört zu den ältesten Rinderrassen Europas. Die Kühe sind mittelgross, wirken aber aufgrund ihres stämmigen und muskulösen Körperbaus sehr imposant.

Besonders markant sind ihre dicken, gebogenen Hörner und das meist einfarbige, von schwarz bis rotbraun variierende Fell. Trotz ihres kämpferischen Charakters sind die Eringer dem Menschen gegenüber nicht aggressiv, sondern gutmütig.

Die Rasse ist gut an die klimatischen Bedingungen und das schwierige Gelände in den Alpen angepasst. Im Vergleich zu Hochleistungsrassen ist ihre Milch- und Fleischproduktion bescheiden. Die Produkte sind jedoch von hoher Qualität. Gehalten und gezüchtet werden die Tiere heutzutage hauptsächlich aus Leidenschaft der ihnen zugewandten Menschen.

Breitformatiges Werbeplakat im Stil eines schwarzen Scherenschnitts auf hellorangem Grund. In der oberen Hälfte wirbt der Text für die Veranstaltung. Den unteren Teil nimmt die Darstellung eines Kuhkampfes ein: Zwei Eringerkühe stehen mit gesenkten Köpfen gegeneinander. Links und rechts davon stehen zwei Männer mit Hut und Stab, welche die Szene beobachten.
Werbeplakat für die Ringkuhkämpfe vom 27. April 1924 in Sitten (Mediathek Wallis) https://permalink.snl.ch/bib/chccsa000060829

Der jährliche Festzyklus

Die Saison der Ringkuhkämpfe beginnt jeweils im September und endet mit dem zweitägigen Finale an einem Maiwochenende. Zehn Wettkämpfe werden an wechselnden Orten ausgetragen, wobei jeweils eine andere lokale Genossenschaft von Züchtern und Züchterinnen der Eringerrasse die Organisation im Turnus übernimmt.

Das Finale des Jahres 2025 fand am 10. und 11. Mai in Sitten statt und endete mit einer überraschenden Siegerin: Entgegen allen Prognosen sicherte sich Nubie, eine Kuh der Familie Eyer aus Ried-Brig, den höchsten Titel. Angesichts der historischen Rivalität zwischen dem frankophonen Unterwallis und dem deutschsprachigen Oberwallis kann es nicht erstaunen, dass Nubies Sieg im Unterwallis als kollektive Niederlage empfunden wurde.

Starke Präsenz in den Medien

Das Finale der Ringkuhkämpfe wird live im nationalen Fernsehen, beispielsweise auf RTS, übertragen. Auch online und in den Printmedien wird ausführlich über die Kuhkämpfe berichtet. Nicolas Steiner würdigt in seinem Dokumentarfilm «Kampf der Königinnen» die kämpferischen Eringerkühe und die Menschen, die sie betreuen.Auch in der Bevölkerung erfreut sich der Brauch der Ringkuhkämpfe grosser Beliebtheit. In ihrer Begeisterung für den Brauch sind die beiden Walliser Landesteile so geeint wie sonst nur noch bei Spielen des FC Sion/Sitten.

Der Schock im Sommer 2025

Das Foto zeigt die Arena mit den Zuschauertribünen sowie Bäumen und Bergen im Hintergrund. Auf dem Sandboden der Arena stehen sich zwei Kampfkühe gegenüber, weitere fünf Tiere und ihre Halter sowie die Treiber («rabatteurs») halten sich im Ring bereit für ihren Einsatz.
Kantonales Finale der Ringkuhkämpfe 2011 in Pra Bardi, Sitten (Foto: Matt Perich, flickr https://www.flickr.com/photos/mperich/5876543294/)

Umso grösser war die Enttäuschung, als der Schweizerische Eringerviehzuchtverband im August sämtliche Ringkuhkämpfe sowie den Stiermarkt absagen musste. Diese einschneidende Massnahme war wegen der drohenden Lumpy-Skin-Krankheit (LSD) unvermeidlich. In Frankreich hatte der Ausbruch dieser hochansteckenden Seuche bereits dazu geführt, dass alle Tiere auf den betroffenen Betrieben getötet werden mussten.

Im Herdenbuch der Eringerrasse sind 12'000 bis 13’000 Tiere eingetragen; jährlich kommen etwa 6000 Kälber zur Welt. Für einen so kleinen Bestand an Tieren kann eine Krankheit wie LSD existenzbedrohend sein. In der Schweiz ist die Krankheit zwar noch nicht ausgebrochen, sie hat die französisch-schweizerischen Grenze aber beinahe erreicht. Für die Durchführung von Festen mit zahlreichen Tieren aus dem ganzen Kanton ist die Ansteckungsgefahr aktuell zu gross. Inzwischen wurde mehrere Tausend Tiere gegen LSD geimpft. Das nährt die Hoffnung, dass das für den 9. und 10. Mai 2026 geplante Nationale Finale der Königinnen in Pra Bardy, Sitten, stattfinden kann.

Literatur und Quellen

Filme / Videos

Letzte Änderung 03.11.2025

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