Adolfo Jenni

Einer, der «adagio» schrieb

Von Daniele Cuffaro

Am 12. Februar 1997 jährte sich zum zwanzigsten Mal der Todestag von Adolfo Jenni, Essayist, Prosaschriftsteller, Dichter und Italienischprofessor, geboren in Modena als Sohn einer Italienischen Mutter und eines Schweizer Vaters. Inspirationsquelle für seine zahlreichen literarischen Werke sind zu einem wesentlichen Teil die Geschehnisse und Orte seines Lebens in Bern. Als rund Zwanzigjähriger lernte Jenni die Heimatstadt seines Vaters kennen und beschrieb Bern als Hauptstadt mit einer dank «einem einfachen, einheitlichen und zentralen Verlauf» gut erkennbaren Physiognomie.

Trotz seiner Liebe zu Bern und obwohl er die schweizerische anstelle der italienischen Staatsbürgerschaft gewählt hatte – eine Entscheidung, die ihm während des Faschismus das Unterrichten in öffentlichen Institutionen verwehrte und ihn zwang, die Heimat seiner Mutter zu verlassen −, fühlte sich Jenni als italienischer Schriftsteller. Er hatte die Grundschulen in Parma besucht und 1935 an der Universität von Bologna promoviert. 1936 zog er in die Schweiz, wo er vorerst gemeinsam mit Piero Bianconi (1899-1984) Lektor und anschliessend bis 1976 ordentlicher Professor für Italienisch an der Universität Bern wurde. Dante, Petrarca, Leopardi und insbesondere Manzoni waren die Autoren, mit denen er sich vornehmlich beschäftigte, aber Adolfo Jenni, der jegliche Freizeit zum Schreiben nutzte, kannte das literarische Schreiben auch aus der Sicht des Schaffenden.

Das Schreibhandwerk war eines seiner Lieblingsthemen, 1962 publizierte er bei Cappelli unter dem Titel Il mestiere di scrivere eine Serie eindringlicher Betrachtungen. Dreissig Jahre später, am 14. Juli 1993, verfasste Jenni nochmals einige Notizen über das Schreiben, und zwar in der dritten Person: «Lesen, sprechen, schreiben. Wie schön, pensioniert zu sein, auch weil er mit der nun zur Verfügung stehenden Zeit (ohne weitere Arbeitsverpflichtungen abgesehen von der eigenen Literatur) all das, was er auf grosse und kleine Blätter schrieb, um Erfindungen und Gefühle zu vermitteln, schreiben durfte – adagio (aber nicht adagissimo) – in Schönschrift. Eine leserliche und regelmässige Schrift, die ihm nach und nach auch jenseits des eigentlichen Entwerfens bedeutungsvoller Zeichen einen Bereich der Freude verschaffte.»

Zahlreich sind die Texte von Adolfo Jenni, die in den Cafés von Bern entstanden sind. Manche sind in der Figur von Saverio Adami zusammengeflossen, dem Alter Ego des Autors und Protagonisten seiner Erzählungen. Adami gab der Gemütsverfassung Jennis eine Stimme, eine Stimme zur Konkretisierung verschiedener Aspekte seiner Arbeit und zur Äusserung über die Risiken einer Welt ohne Kunst. Diese Überlegungen verwickeln sich in einer raffinierten Schrift, die den Leser zu einer besonderen Form von Literatur hinführt, zu einer Art rezitierter Prosa, die zwischen poetischen und essayistischen Elementen hin- und herpendelt.

Adolfo Jenni hat viel über sein eigenes Werk nachgedacht, und man darf sogar sagen, er sei der erste Archivar seiner Manuskripte gewesen. Auf den für den Nachlass vorgesehenen Dokumenten fügte er zum besseren Verständnis mit viel Hingabe zahlreiche Notizen an. In Schutzumschläge unterteilt sind seine Papiere von allgemeinen praktischen Hinweisen begleitet: Mit der einfachen Anmerkung «zu behalten» hob Jenni diejenigen Materialien hervor, die «für die direkte Publikation gedacht [sind], auch wenn sie nicht die letzte Korrektur erhalten haben. Sollte ein Umschlag davon ausgenommen sein, so wird ein entsprechender Hinweis darauf stehen.»

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