Quarto 42 / 2016, Graz sei Dank!

«Graz» ist für die Deutschschweizer Autorinnen und Autoren - und nicht nur für sie - seit den 1960er-Jahren ein Ortsname mit besonderem Klang, ein magisches Wort, das Assoziationen und Erinnerungen auslöst, ein fernes Reiseziel, an dem man sich willkommen, ja zu Hause fühlt. Was macht den besonderen Reiz der Hauptstadt der Steiermark aus, wie entwickelte sie sich zu einer geheimen Hauptstadt der deutschsprachigen Literatur?

Seit 1960 dokumentiert die Zeitschrift manuskripte, herausgegeben von Alfred Kolleritsch, kontinuierlich mit Erstabdrucken die Entwicklung einer sprachkritischen, nicht dem mainstream realistischen Erzählens folgenden, im weitesten Sinne avantgardistischen Literatur. Und damit verbunden haben sich das «Forum Stadtpark» als Veranstaltungsort und der «steirische herbst» als Anlass etabliert, wo sich die internationale deutschsprachige Literaturszene trifft. Hinzu kommt seit 1978 der Literaturverlag Droschl, eine wichtige Plattform auch für Schweizer Autorinnen und Autoren.

In diesem institutionellen Umfeld hat sich eine starke Generation von Grazer Autoren etabliert, die vielfache freundschaftliche Kontakte dem Alpenkamm und dem Rand des deutschen Sprachraums entlang nach Westen geknüpft hat. Zugleich können wir «Graz» durchaus als pars pro toto für die neue österreichische Literatur nehmen, die mit ihrer international beträchtlichen Wirkung und ihrem historischen Resonanzkörper eine wichtige Orientierungsgröße für die Schweizer Literaturszene ist.

Ohne dass dies zunächst so beabsichtigt war, konzentrieren sich die meisten Beiträge auf literarische Paarbeziehungen und Wahlverwandtschaften. Das ist kein Zufall, denn es sind diese freundschaftlichen Kontakte, die Gefühle der Dankbarkeit wecken und dem literarischen Kompass erst seine starke magnetische Spannung zum Pol Graz verleihen.

Das Heft kann bei weitem nicht die ganze Vielfalt dieser transnationalen Beziehungen und literarischen Kräfte abbilden. Wohl fast jede Deutschschweizer Autorin, fast jeder Autor der letzten Generationen könnte eine eigene Geschichte zu «Graz» erzählen, die belegt: Auch ich war da.


Quarto, Zeitschrift des Schweizerischen Literaturarchivs, 42, Genf : Slatkine, Mai 2016.
CHF 15.-

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Buchvernissage Quarto 42 Graz sei Dank!

Mittwoch, 18. Mai 2016, 18.00h, Schweizerische Nationalbibliothek

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