Mein Schweizer Schatz «Die Zauberorgel»

«Zauberorgel», In: Jörg Schneider und Patrick Bannwart, Die Zauberorgel, Zürich, Tudor Recording AG, 2015 © Tudor Recording AG, Zürich 2015
Die Zauberorgel aus dem gleichnamigen Kinderbuch von Jörg Schneider und Patrick Bannwart.

Recherchieren, Sichten, Lesen, Schreiben, Redigieren, Besprechen, Korrigieren und nochmals Drüberlesen: Während den letzten Monaten habe ich mich im Rahmen meiner Masterarbeit intensiv mit dem Archiv des Orgelbauexperten und Glockenspezialisten Ernst Schiess (1894–1981) befasst. Der Nachlass gehört zum Eidgenössischen Archiv für Denkmalpflege EAD in der Graphischen Sammlung der NB. Das Durchstöbern und Sichten des ganzen Archivmaterials hat mir grosse Freude bereitet. Schon die Fülle dieser Dokumente ist ein grosser Schatz, aber meinen ganz besonderen Schweizer Schatz habe ich während meinen Recherchen entdeckt.

Orgel und Orgelbau war für mich komplettes Neuland. Ich musste mich also einlesen und begann dabei in unserem Bibliothekskatalog Helveticat meine Recherche ganz banal mit dem Stichwort «Orgel». Und da erschien bei den Resultaten Die Zauberorgel, was mich sogleich neugierig werden liess. Das ist der Titel einer Audiokassette, die ich früher mit meinen Geschwistern vor und zurück gehört habe und deren Geschichte uns in ihren Bann gezogen hat. Wir alle kennen bis heute die Zauberorgelmelodie, den Vogelscheuchen-Tango und viele der Lieder immer noch auswendig. Gibt es also auch ein Buch vom «Chübelimaa» Fridolin und seiner Tochter Rägeli? Ich habe es sogleich bestellt und ging gespannt zur Ausleihe. Ein Bilderbuch – gezeichnet von Patrick Bannwart. Und es ist tatsächlich die Geschichte meiner Erinnerung! Das musikalische Kindermärchen von Jörg Schneider und Emil Moser ist ein Dialektmusical und feierte 1976 in Zürich Premiere. Das Bilderbuch dazu erschien erst 2014. Besonders gut gefallen mir an diesem Bilderbuch die Illustrationen und dass viele unübersetzbare Dialektwörter wie «zunderobsi», «gügsle» und «ufegchräsmed» in den Text einfliessen.

Meine Entdeckung habe ich beim nächsten Wiedersehen voller Freude gleich meiner Schwester und meinen Eltern gezeigt, welche auch von Neuem wieder begeistert waren von der Geschichte: Der arme Kesselflicker Fridolin macht sich mit seiner Tochter Rägeli und der selbst gebauten Zauberorgel auf den Weg, um dem schwerkranken König Adalbert zu helfen. Denn die Musik der Zauberorgel macht die Menschen gesund. Auf dem langen Weg durchs grosse Königreich begegnen sie der Vogelscheuche sowie dem Schneemann und es entstehen Freundschaften. «Wie schön, wänn Fründe häsch» klingt in unseren Ohren mit den unverwechselbaren Stimmen von Margrit Rainer und Jörg Schneider. Die bösen Apothekersleute Bitterli, die reichsten Leute weit und breit, wollen den beiden jedoch zuvor kommen, und legen ihnen so manchen Stein in den Weg.

Meine Nichten und Neffen kennen die Lieder der Zauberorgel ebenfalls bereits von der Kassette und für den letzten Geburtstag meiner Nichte war es für mich klar, dass ich ihr dieses schöne Buch schenken würde. Damit machte ich allen anderen Familienmitgliedern ebenso eine Freude.

Schön, dass ich diesen Kindheitsschatz ganz unerwartet in der Sammlung der NB wieder angetroffen habe. Neben allen anderen Schätzen, die ich ständig in der NB ausleihe – ob zum Kochen, Basteln, Wandern, Velo fahren oder Lesen.

«Es isch scho schön, wenn mer so Fründ dörf ha!», In: Jörg Schneider und Patrick Bannwart, Die Zauberorgel, Zürich, Tudor Recording AG, 2015 © Tudor Recording AG, Zürich 2015
«Es isch scho schön, wenn mer so Fründ dörf ha!», In: Jörg Schneider und Patrick Bannwart, Die Zauberorgel, Zürich, Tudor Recording AG, 2015 © Tudor Recording AG, Zürich 2015

Malina Dahinden
Praktikantin MAS Bibliotheks- und Informationswissenschaften

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