Mein Schweizer Schatz: Der Freiherr von Münchhausen

Wer hat nicht alles schon einmal gelogen? Der Freiherr von Münchhausen sicher nicht. Egal wie «komisch» seine Geschichten auch klingen mögen, sie sind alle wahr. Das beteuert er jedenfalls immer.

Als ich in der vierten Klasse war, habe ich das erste Mal von Münchhausen gehört. Wir haben sein wohl berühmtestes Abenteuer, Der Ritt auf der Kanonenkugel, gelesen und ich wurde sofort in den Bann seiner Erzählkunst gezogen. Mittlerweile habe ich seine Abenteuer schon mehrfach gelesen, aber sie werden nicht langweilig.

«Der Ritt auf der Kanonenkugel», in: Erich Kästner erzählt: «Die wundersamen Reisen und Abenteuer zu Wasser und zu Lande des Freiherrn von Münchhausen» © Atrium Verlag, Zürich 1951
«Der Ritt auf der Kanonenkugel», in: Erich Kästner erzählt: «Die wundersamen Reisen und Abenteuer zu Wasser und zu Lande des Freiherrn von Münchhausen» © Atrium Verlag, Zürich 1951

Ich habe lange überlegt, welches Abenteuer mein liebstes ist. Zum Schluss habe ich mich für diese Geschichte entschieden: Der Ritt auf der Kanonenkugel. Münchhausen befand sich gerade wieder einmal auf einem Feldzug. Seine Truppen belagerten eine Stadt und sie wollten in Erfahrung bringen, wie es mit der Verteidigung der Stadt aussah. Da aber ein Hineinkommen in die Stadt durch das Haupttor unmöglich war, musste sich Münchhausen einen anderen Weg suchen. Da es aber keinen anderen Zugang zur Stadt gab, sprang Münchhausen kurzerhand auf eine Kanonenkugel, welche gerade neben ihm abgefeuert wurde. Er hatte vor, mit ihr über die Mauer zu fliegen, in Erfahrung zu bringen wie viele Männer der Belagerung noch standhielten und dann wieder zu verschwinden.

Als er so durch die Lüfte flog, fiel ihm auf einmal ein, dass er mit seiner Uniform in der Stadt sofort als Feind erkannt und getötet werden würde. Da ihm aber sein Leben lieb war und er noch viel vorhatte, sprang er auf eine Kanonenkugel, welche von der anderen Seite kam. Mit dieser landete er dann unversehrt wieder bei seinen Truppen. Auch wenn er nicht in Erfahrung bringen konnte wie lange die Stadt noch Widerstand leisten würde, hatte er doch etwas erlebt, was er am Abend, wenn sie alle am Lagerfeuer sitzen würden, erzählen konnte.

Münchhausen bestätigt in diesem Buch immer wieder, dass sich alle seine Abenteuer so und nicht anders zugetragen haben. Ob man ihm glaubt oder nicht, liegt ganz in der Verantwortung des Lesers.

Meine Grossmutter hat mir früher immer Sagen erzählt. In diesen geschehen auch viele wundersame und unglaubliche Dinge. Heute lese ich unter anderem sehr gerne Krimis. Diese beiden Elemente werden in Münchhausens Geschichten zusammengefasst. Denn einige seiner Geschichten sind sehr spannend und man weiss nicht, was als nächstes passiert. Andere hingegen sind so fantastisch, dass es einem schwerfällt, das Gelesene zu glauben.

Dieses Buch ist mein persönlicher Schweizer Schatz, weil Münchhausen abenteuerliche und lustige Geschichten so erzählen kann, dass man das Buch nicht weglegen kann, bis man es durchgelesen hat.

In diesem Buch hat Erich Kästner insgesamt acht Geschichten aus dem Leben des Freiherrn von Münchhausen gesammelt und illustriert. Wenn Sie das Lügen lernen wollen, lernen Sie vom Besten.

Da die Abenteuergeschichten im Zürcher Atrium-Verlag erschienen sind, finden Sie sie auch in der Schweizerischen Nationalbibliothek unter der Signatur N 154 559.

 

Anina Hug
Fachfrau Information und Dokumentation in Ausbildung

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