Mein Schweizer Schatz: «Reisen im Licht der Sterne» und weitere Schätze von Alex Capus

Karte der Schatzinsel, 1883, Quelle: Wikimedia Commons
Karte der Schatzinsel, 1883, Quelle: Wikimedia Commons

Lesen ist für mich immer eine Schatzsuche, eine abenteuerliche Reise. Weg aus dem Alltag! Hinein in die Schweizerische Nationalbibliothek! Hier sind die Schätze, die ich suche, nämlich Schweizer Belletristik vom Feinsten. Fünfkommafünf Millionen Dokumente mit einem Schweizer Schatz, fast wie in einer Truhe aufbewahrt: der Abenteuerroman des Schweizer Autors Alex Capus «Reisen im Licht der Sterne». Die Geschichte der «Schatzinsel» von Robert Louis Stevenson nimmt er als Vermutung neu auf, kombiniert Legende und Wahrheit und reist in die Südsee. Mit diesem fantastischen Roman der ewigen Schatzsuche reise ich mit in ferne Länder, auf winzig kleine Inseln zwischen dem Wendekreis des Krebses und dem Wendekreis des Steinbocks. Diese Geschichte, im 19. Jahrhundert von Stevenson in Davos ausgedacht, bringt Capus in meine Gegenwart und verblüfft mich. Ich freue mich darüber, gibt es ihn also doch, diesen Schatz? Ja! Das Buch vor mir mit dem grünen Umschlag und dem farbigen Piraten auf dem Einband ist mein Schatz! Es sind ein kühner Text, fundierte Recherchen und ein Seesack voller Humor! Vielleicht ist ja doch alles wahr….

Ein bisschen trunken von so viel Phantasie bestelle ich im Bibliothekskatalog Helveticat den «Munzinger Pascha»… Wie, es gab einen Werner Munzinger aus Olten, der sich 1852 als Forschungsreisender zu den Nilquellen aufmachte und die Sklaverei in Afrika abschaffen wollte? Ja! Wieder ein Schatz! So reise ich jetzt nach Ägypten und erlebe nochmals Bilder einer eigenen Reise ans Nildelta und tauche in diese nächste grossartige Geschichte ein.

Aber nicht genug: In «Eine Frage der Zeit» finde ich Einzelteile eines Dampfschiffes, die für Kaiser Wilhelm II. nach Afrika transportiert und dort, am Tanganikasee, zum Kriegsschiff wieder zusammengebaut werden. Es vermittelt Spannung pur in kolonialer Zeit. Auch dies ist für mich ein Schatz.

Nach diesem Abenteuer lese ich die Geschichte von Emile Gilliéron, dem Archäologen. Ich reise selbst in die lilafarbenen Sonnenuntergänge der Ägäis. Ich treffe die Spionin Laura d’Oriano in Marseille am Seifenstand am alten Hafen. Felix Bloch, der Bombenbauer, flaniert öfters vor der Zürcher Oper. «Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer», sind drei Schätze in einem Band.

Das erste Kapitel auf Seite 5 von «Fast ein bisschen Frühling» lasse ich Sie selber entdecken, denn da suchen die Bankräuber Kurt Sandweg und Waldemar Velte im Winter 1933/34 den Seeweg von Wuppertal nach Indien, müssen aber erst noch zu Geld kommen. Ob die Diebe den Tresor knacken können?

Und wenn Sie das dann wissen, lesen Sie noch einen Liebesbrief zwischen «Léon und Louise». Diese Briefe werden bestimmt in einer Schachtel mit blauem Seidenband wie ein Schatz irgendwo gehütet.

Ob wohl in den Geisterstädten des Wilden Westens Schätze versteckt sind? Fahren Sie nach «Skidoo» in die Goldminen, man weiss ja nie! 

Ich habe meinen Schatz! 

Marianne Richard
Leiterin Dienst Ausleihe

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