Mein Schweizer Schatz : «Walliser Lied»

Wer mich kennt, weiss vermutlich, dass ich eine kleine patriotische Schwäche für den Kanton Wallis habe.

Wobei sich diese instinktive Zuneigung doch etwas beruhigte, solange ich im Ausland lebte, in Barcelona, dieser offenen, eigensinnigen Stadt mit den tausend Facetten, in diesem Katalonien mit seinen anmutigen Hügellandschaften, wo ich zwölf glückliche Jahre verbracht habe.

Bis am Mittwoch, 27. April 2016.

Seit bald einem Jahr bin ich nun zurück in der Schweiz und schätze mein neues privates und berufliches Gleichgewicht zwischen Martigny und Bern. So stehe ich also eines Abends auf der Planta in Sitten an einer offiziellen Feier in Anwesenheit von Staatsratspräsident Jaques Melly und Grossratspräsident Nicolas Voide.

Der Anlass findet dank einer 2015 entstandenen Idee im Rahmen der Festlichkeiten der 200-jährigen Zugehörigkeit des Wallis zur Eidgenossenschaft statt und feiert die Offizialisierung des «Walliser Lieds» als Kantonshymne mit dem «Marignan-Marsch» als Instrumentalfassung.

Das «Walliser Lied» wurde 1890 von Ferdinand Otto Wolf zu einem Text von Leo Lucian von Roten komponiert. Der «Marignan-Marsch» wurde 1939 von Jean Daetwyler zum 50. Jubiläum des Mittelwalliser Musikverbands komponiert. Der 1984 in Sierre verstorbene Basler drückte die Verbundenheit mit seinem Wahlheimatkanton durch die Zusammenführung der Melodie des «Walliser Lieds» mit dem «Marignan-Marsch» aus.

Als die an jenem Abend von der Stadtharmonie Sitten in Begleitung der Sängerin Sylvie Bourban aus Nendaz gespielte Hymne erklang, fühlte ich mich ganz wahnsinnig als Walliserin, als hätten diese langen Jahre des Lebens im Ausland den tief in mir schlummernden Regionalismus wieder geweckt.

Eine Strophe hat mich an diesem Abend ganz besonders berührt:

Nennt mir das Land, nach dem zurück
es stets den Sohn der Berge zieht,
wenn er mit tränumflortem Blick
im Geist die ferne Heimat sieht.

In der Nationalbibliothek werden sechs Schriften von Leo Lucian von Roten und zahlreiche Referenzen auf Ferdinand Otto Wolf aufbewahrt, und in der Nationalphonothek sind mehrere Tonaufnahmen des «Marignan-Marsches» erhalten und zugänglich, z.B:
Da der Zugang zum Hördokument auf das Netzwerk der AV-Arbeitsplätze der Phonothek beschränkt ist, hier der Link auf die offizielle Aufnahme:

So können wir uns auch davor bewahren, die unpassenden Fassungen anhören zu müssen, die an den Cupfinals bei einer Teilnahme des FC Sion oder an den Ständen an der Foire du Valais gesungen werden.

Und Sie? Können Sie sich mit Ihrer Kantonshymne identifizieren?

 

Auf dem digitalen Repertoire finden Sie die integrale Textpartitur.

Murielle Voide Bazuzi
Projekte / Informations- und Kommunikationstechnologien

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