Der Gotthard im Spiegel von Zeitungen und Zeitschriften

Das Gotthard Hospiz nach dem Umbau, Foto: © Ruedi Walti, in: Hochparterre. Zeitschrift für Architektur und Design 23 (2010), S. 30–33, hier S. 31
Das Gotthard Hospiz nach dem Umbau durch Miller und Maranta im Jahr 2010, Foto: © Ruedi Walti
Die Bedeutung des Gotthards für die Schweiz zeigt sich auch in der Berichterstattung in Schweizer Zeitungen und Zeitschriften. Einige davon sind digitalisiert und online zugänglich. Dieses Dossier bringt eine Auswahl zum Eisenbahntunnel von 1882, den Autobahntunnel von 1980, den Basistunnel von 2016, der «zweiten Röhre» und zum Gotthard als nationalem Mythos.
 
Gibt es den Gotthard überhaupt? Vorübergehend scheint er verschwunden gewesen zu sein, wusste doch Die Tat am 15. November 1977 zu berichten: «Turners ‹Gotthard› wieder da". Gemeint war ein Gemälde des berühmten englischen Malers William Turner, das wiedergefunden wurde.
 
Für immer fehlen wird der Eintrag Gotthard im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS) ─ er wurde als solcher nicht aufgenommen. Und auch auf der Landeskarte der Schweiz existiert kein Berg namens Gotthard. Was daran liegt, dass der Gotthard streng genommen kein Berg ist, sondern ein Pass.
 
Über den Gotthardpass und die Gotthardbahn gibt es einen HLS-Artikel, ebenso wie über den Gotthardvertrag (1909) und den Gotthardbund aus dem Jahr 1940.
 
Zu seinem Namen kam der Gotthardpass, nachdem der Erzbischof von Mailand die Kapelle auf der Passhöhe zwischen 1166/76 und 1230 dem Heiligen Gotthard geweiht haben soll. Der Benediktiner Godehard, 1022 bis 1038 Bischof von Hildesheim, war 1131 heiliggesprochen worden. Im anschwellenden Fernhandel wurde er der Schutzheilige der Kaufleute. Im Habsburgischen Urbar (1303 1307) bezeichnet der Name St. Gotthard erstmals nicht mehr nur die Kapelle und das Hospiz, sondern auch den Pass selber.
 
Wenn der Gotthard auch kein Berg ist, so ist er doch mehr als ein Verkehrsweg. Spätestens in der Zeit der Bedrohung der Schweiz durch Nationalsozialismus und Faschismus verdichtete sich ein Nationalmythos, in welchem der Gotthard die Unabhängigkeit und die Einheit der Schweiz symbolisierte. Der «unbändige Verteidigungswille» kam noch 1989 mit der «Diamantfeier» zum Gedenken an die Mobilisierung der Armee vor 50 Jahren zum Ausdruck. 1994 spielte der Mythos bei der Annahme der Volksinitiative «zum Schutz des Alpengebietes vor dem Transitverkehr» eine Rolle, wie die repräsentative Befragung der Stimmenden ergab: «Auf der Pro-Seite wurde zum Teil ein Alpen- und Gotthardmythos reaktiviert, der für die Unabhängigkeit und Unbestechlichkeit der Schweiz stand.» (Vox-Analyse Nr. 52 vom Juni 1994, S. 26)
 
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