FAQ zur URN (Uniform Resource Name)

Definitionen

WAS IST EINE URN (UNIFORM RESOURCE NAME)?
Eine URN ist ein Persistent Identifier. Mit einer URN wird der dauerhafte Zugriff auf ein Objekt sicher gestellt. Der dauerhafte Zugriff wird durch die Langzeitarchivierung der digitalen Objekte gewährleistet. Eine URN verweist auf mindestens eine URL, über welche ein Objekt adressiert wird. Eine URN verknüpft mit einer Adresse Original und Archivkopie und bietet dadurch einen immer aktiven Link im Bibliothekskatalog.

WIE IST EINE URN:NBN:CH AUFGEBAUT?
Beispiel: urn:nbn:ch:bel-9596. Die URN für den Schweizer Namensraum besteht aus einem fixen Teil: urn steht für Uniform Resource Name, nbn für National Bibliography Number, ch für die Landeskennzeichnung. Dann folgt im variablen Teil die URN-Vergabestelle mit Identifikationsnummer und Prüfziffer nach dem Bindestrich.

WAS IST DER UNTERSCHIED ZWISCHEN EINER ISBN UND EINER URN?
Vielfach wird ein Vergleich zwischen URN und ISBN/ISSN gemacht, weil eine eindeutige Identifikation zwischen Beschreibung und Objekt als Ziel sowohl für die ISBN/ISSN wie auch für andere Identifikatoren erreicht werden soll. Der grosse Unterschied liegt bei der Stelle, die den Identifikatoren vergibt. Bei der ISBN/ISSN wird die Vergabe immer durch den Verlag/Produzenten gewünscht und von der entsprechenden Agency vergeben. Bei gewissen Identifikatoren erhalten nur Mitglieder für Ihre Objekte/Publikationen einen Identifikatoren (DOI). Im Fall der Nationalbibliotheken wird die URN:NBN entweder vom Verleger gewünscht und vergeben oder durch die Nationalbibliothek vergeben. ISBN/ISSN sind verbunden mit dem Strichcode, einer wichtigen Komponente der Warenwirtschaftssysteme des Buchhandels (Bestellungen, Verwaltung der Lager). Währenddessen lokalisieren URNs primär die archivierten digitalen Objekte. Die URN hat die Funktion, den immer währenden Link zum entsprechenden digitalen Objekt zu garantieren. Die ISBN ist mit den Metadaten zum entsprechenden Dokument verbunden, während die URN hauptsächlich mit dem digitalen Objekt verknüpft ist und zusätzlich auch eine Einheit mit dem Objekt und dessen Metadaten bildet. Die ISBN kann übrigens auch mit der URN kombiniert werden: z.B. URN:ISBN:0-395-36341-1. Siehe auch:

WAS IST EIN PERSISTENT IDENTIFIER?
Ein Persistent Identifier ist eine immerdauernde, gültige Adresse («Link» im Internet). Er kann die URLs in einem Bibliothekskatalog oder anderen Nachweissystemen ersetzen oder als stabile Referenz in den Dokumenten selbst angewendet werden. Weil die Links dadurch stabil sind, müssen sie nicht immer wieder aktualisiert und gepflegt werden. Digitale Publikationen erhalten mit einem Persistent Identifier eine eindeutige Identifikation. Beispiele von Persistent Idenfiers sind: URN, DOI, PURL etc.

WAS IST EIN DOI?
Der Digital Object Identifier (DOI) - übersetzt etwa „Bezeichner für digitale Objekte“- ist ein eindeutiges und dauerhaftes Identifikationssystem für online verfügbare digitale Objekte. DOI wird seit 1998 von der International DOI Foundation entwickelt und kontrolliert.
Das DOI-System beträgt zwei Aspekte: es ist sowohl ein Benennungssystem eines digitalen Objekts als auch ein Metadatensatz, der diesem Objekt zugeteilt ist.
Das Benennungssystem besteht aus einer Kette alphanumerischer Zeichen, die eine eindeutige und dauerhafte Identifizierung des Objekts in einem Online-Umfeld erlauben. Die Metadaten, die aktualisiert werden können, verknüpfen die Vergabestelle der DOI-Zeichenkette mit der Institution, die das Objekt besitzt; sie informieren über den Standort des Objekts und enthalten das Protokoll für die Auflösung des DOI-Namens in eine konkrete Online-Adresse.
Der DOI-Identifikator ist ein stabiler Link, der sich nicht ändert, wenn der Standort oder die Metadaten verändert werden. Die Gültigkeit des Links wird durch die Zusammenarbeit zwischen dem DOI-Bezüger und der DOI-Vergabestelle sichergestellt.

WELCHES SIND DIE WICHTIGSTEN UNTERSCHIEDE ZWISCHEN EINEM DOI UND EINER URN?
Der DOI wird hauptsächlich von Verlegern und von der akademischen oder wissenschaftlichen Welt gebraucht. Er garantiert einen dauerhaften Link auf das digitale Objekt während der ganzen Zeit, in der es von der besitzenden Institution zur Verfügung gestellt wird. Wenn die Institution, die ein mit einem DOI identifiziertes digitales Objekt besitzt, dieses nicht mehr als archivwürdig betrachtet, oder das Objekt veraltet ist und die Institution beschliesst, es von ihrem Server zu entfernen, ist der Zugriff auf das Objekt nicht mehr möglich. Die URN hingegen, die hauptsächlich von Nationalbibliotheken gebraucht wird, garantiert eine eindeutigen, stabilen und permanenten Link auf ein digitales Objekt; dank einer Archivkopie wird der Zugriff auf das Objekt auch nach dessen Verschwinden vom Internet oder nach dem Verschwinden der besitzenden Institution gewährleistet.
Ausserdem kann die DOI-Vergabe kostenpflichtig sein, da die Vergabe von DOI-Namen durch eine Institution eine Mitgliedschaft bei der International DOI Foundation voraussetzt und dafür ein jährlicher Beitrag gezahlt werden muss. Die URN-Vergabe ist kostenlos.

WO FINDE ICH WEITERE INFORMATIONEN ZUM DOI?
Die englischsprachige Website der International DOI Foundation enthält alle Informationen über dieses Identifikationssystem.

Kriterien für die URN-Vergabe

FÜR WELCHE DIGITALEN OBJEKTE WERDEN IN DER SCHWEIZERISCHEN NATIONALBIBLIOTHEK URNS VERGEBEN?
In einer ersten Phase werden für folgende digitalen Objekte URNs vergeben:
- Online-Hochschulschriften
- Online-Publikationen von Verlagen und verlegenden Stellen
- Digitalisierte Tondokumente VOCS (Memoriav)
- Digitalisierte Poster
- Online-Zeitschriften
- Online-Zeitschriftennummern
- Zeitschnitte von Websites
- Online-Inventare (Schweizerisches Literaturarchiv)

WELCHE DOKUMENTTYPEN «VERDIENEN» EINE URN?
Dokumente «verdienen» eine URN, wenn sie langzeitarchiviert werden und eine URL haben. Dokumente, die nur im Intranet vorhanden sind, erhalten nur eine URN-ID. Wenn ein solches Dokument ins Internet gestellt wird, kann die URN-ID problemlos als URN aktiviert werden.

AB WELCHEM ZUSTAND (PREPRINT, PUBLISHED...) KANN EINEM ELEKTRONISCHEN OBJEKT EINE URN VERGEBEN WERDEN?
Das Objekt erhält eine URN in dem Zustand, in dem es langzeitarchiviert wird. Falls beide Zustände langzeitarchiviert werden, gibt es pro Zustand je eine URN.

KANN GESPERRTEN OBJEKTEN EINE URN VERGEBEN WERDEN?
Gesperrten Objekte oder später gesperrten Objekten kann man eine URN vergeben. Ein gesperrtes Objekt kann trotzdem archiviert werden (Archivierungsrechte). Der Zugriff auf das gesperrte Objekt kann mit Zugriffsrechten gesteuert werden. Während der Zeit, in der das Objekt gesperrt ist, kann zum Beispiel eine Informationsseite erscheinen, die erklärt, dass das Objekt gesperrt ist (dies funktioniert z.B. mit einem Access-Modul). Oder man gibt eine allgemeine Information auf einer Frontpage.
Es kann sein, dass digitale Objekte über eine gewisse Zeit zur Verfügung gehalten werden sollen, aber keine eigentliche Langzeitarchivierung vorgesehen ist. Möglich ist auch, dass eine Institution interne digitale Objekte archivieren, aber nicht der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen will. Es ist vorstellbar, dass auch in solchen Fällen ein Bedarf nach einer eindeutigen Identifikation bestehen kann. Diese Identifikation darf dann aber nicht als URN erfolgen. URNs sind wirklich nur für digitale Objekte vorgesehen, die über das Internet langfristig im Zugriff bleiben sollen.
Vorschlag: für Online-Objekte, die nicht langzeitarchiviert werden und auch für Offline-Objekte, für die der Bedarf nach einer eindeutigen Identifikation besteht, wird als Identifikator der hintere Teil der URN verwendet (SNID + NISS + Prüfziffer).
Beispiel: interner Identifikator bel-9373
URN urn:nbn:ch:bel-9373
Der Vorteil bei der Verwendung des gleichen Mechanismus für URNs und Identifikatoren liegt darin, dass sich bei Bedarf aus einem Identifikator sehr einfach eine URN erstellen lässt. Es genügt, die entsprechende Zusatzinformation dem Identifikator voranzustellen und die URN beim URN-Resolving-Server registrieren zu lassen. Es besteht keine Verpflichtung, die Objekte, die nicht langzeitarchiviert werden sollen, nach diesem Mechanismus mit einem Identifikator zu versehen.

Abläufe

WIE IST DIE URN-VERGABE IN DER SCHWEIZERISCHEN NATIONALBIBLIOTHEK GEREGELT?
Im URN-Handbuch, Kapitel 6 «URN-Policy der Schweizerischen Nationalbibliothek», wird auf die URN-Vergabe in der Schweizerischen Nationalbibliothek eingegangen.

KANN ICH EINE URN SELBER VERGEBEN?
Die URN-Vergabe bei Institutionen aus dem Hochschulbereich Schweiz ist im URN-Handbuch, Kapitel 8 «URN-Vergabestellen im Hochschulbereich Schweiz» und Kapitel 9 «URN-Bezüger im Hochschulbereich Schweiz» geregelt. Die URN-Vergabe bei Schweizer Lieferanten und Institutionen ausserhalb des Hochschulbereichs Schweiz ist im URN-Handbuch, Kapitel 10 «URN-Bezüger ausserhalb des Hochschulbereichs Schweiz» geregelt.

WIE KANN MAN KONTROLLIEREN, OB EIN OBJEKT NICHT SCHON VON EINER ANDEREN INSTITUTION EINE URN ERHALTEN HAT?
Wenn die beim Resolver angemeldete URL bereits einmal angemeldet worden ist, meldet der Resolver eine Dublette bzw. die URN wird nicht aktiviert. Die NB hat bei ihrem Ingest-System eine Kontroll-Abfrage eingebaut, die nach der URN-Vergabe die neue URN beim Resolver abfragt. Wenn sie nicht aktiviert wurde, fällt das AIP in einen Fehlerstatus. Falls zwei verschiedene URLs für das gleiche Objekt angemeldet werden, sind das für den Resolver zwei verschiedene Objekte und er erkennt keine Dublette.

Technische Fragen

WAS IST DAS HAUPTZIEL DER URN?
Das Hauptziel der URN ist das elektronische Objekt. Man gibt alle vorhandenen URLs beim URN-Resolver an. Die einzelnen URLs können priorisiert werden. Sie können z.B. bestimmen, dass die URN zuerst auf die Frontpage zeigt, anschliessend geben Sie die URL des PDFs an und zum Schluss geben Sie die URL des Objekts im Archiv an. Der URN-Resolver gibt als erstes die priorisierte URL heraus, wenn diese nicht erreichbar ist, die nächste etc. bis hin zur Archiv-URL. Wenn eine URL wechselt, gibt man dem URN-Resolver die neue URL an und priorisiert sie. Bei der URN muss immer eine gültige URL angegeben werden.

IM BIBLIOTHEKSKATALOG HELVETICAT HABE ICH EINEN LINK IN DER FORM HTTP://NBN-RESOLVING.DE/URN/RESOLVER.PL?URN=URN:NBN:CH:BEL-3170 ENTDECKT. WERDEN DIE ELEKTRONISCHEN PUBLIKATIONEN DER SCHWEIZERISCHEN NATIONALBIBLIOTHEK IN DEUTSCHLAND AUFBEWAHRT?
Nein, auch die elektronischen Publikationen werden in der Schweizerischen Nationalbibliothek (NB) aufbewahrt. urn:nbn:ch:bel-3170 ist ein eindeutiger Identifikator für eine elektronische Publikation auf der Basis einer URN. Dieser Identifikator verändert sich im Gegensatz zu einem Link (URL) nicht mehr. Der Resolving-Server der Deutschen Nationalbibliothek kann den Identifikator auflösen und in einen Link (URL) verwandeln. Dieser Link verweist auf den Server des Produzenten, der die Originale der Publikationen anbietet. Später ist vorgesehen, dass unter Wahrung von allenfalls bestehenden Nutzungsbeschränkungen auch auf die Archivkopie der NB verwiesen werden kann, wenn das Original nicht mehr verfügbar sein sollte. Da die mit den URN verbundenen Links überwacht werden, ist sichergestellt, dass eine Publikation verfügbar bleibt, auch wenn sich der Link verändert.

WARUM KÖNNEN URNS NICHT DIREKT IM BROWSER AUFGERUFEN WERDEN?
Die Browser erkennen eine URN noch nicht. Aus diesem Grund werden URNs in den meisten elektronischen Anzeigesystemen direkt mit der Resolvingadresse verknüpft. Aber es existieren Plugins. Folgende Anleitungen stehen für eine Installation eines Plugins für Mozilla und Internet Explorer zur Verfügung:

Sie haben leider folgenden Nachteil : sie sind keine grosse Hilfe, wenn ein Benutzer, der auf eine URN trifft, keine Vorstellung hat, was er machen muss.

WAS VERSTEHT MAN UNTER MIGRATION (URN-HANDBUCH, KAPITEL 6.6.3)?
Bei Migrationen handelt es sich um Migrationen der Objekte von einem unlesbaren Zustand in einen wieder lesbaren Zustand (z.B. in eine nächst höhere Version etc.). Es ist vorgesehen, dass man über die URN zum Original und dann zum wieder lesbaren Objekt (Migration) kommt, deshalb wird für das migrierte Objekt keine URN vergeben. Wenn nur das Objekt von einem Server auf einen anderen umplatziert wird, handelt es sich nicht um eine Migration, auf die 6.6.3 anspielt. In diesem Fall muss die neue URL dem Resolver gemeldet werden, damit die URN wieder aktiv ist.

DIE URNS SIND LAUT DEFINITION IDENTIFIKATOREN. SIE ERLAUBEN ABER ALS LINK EINEN ZUGRIFF AUF EINE RESSOURCE. WELCHE MARC-FELDER KÖNNEN FÜR DIE URN ODER ANDERE IDENTIFIKATOREN GEBRAUCHT WERDEN?
URN als Identifikator:
024 7 _ $2 URN $a urn:nbn:ch:bel-101162
DOI als Identifikator:
024 7 _ $2 DOI $a 10.1159/000074220
URN als «Link»:
856 4 _ $u http://nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:ch:bel-101162
Die NB benutzt beide Felder. Pro URN/URL wird ein eigenes Feld 856 benutzt.

WIE VERGIBT MAN EINE URN BEI OBJEKTEN IN MEHREREN DATEIEN?
- Einige Objekte existieren in mehreren Formaten (PDF, Word, HTML):
1 URN
- Einige Objekte bestehen aus mehreren Teilen (z.B. Hauptdokument und Beilage):
1 Metadaten-Set = 1 AIP = 1 URN; 2 Metadaten-Sets = 2 AIP = 2 URN etc.
- Einige Objekte existieren in mehreren Formaten und mehreren Teilen:
1 Metadaten-Set = 1 AIP = 1 URN; 2 Metadaten-Sets = 2 AIP = 2 URN etc.

Letzte Änderung 26.11.2015

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