FAQ zu den Arbeitsabläufen

Allgemeines

WIE MUSS ICH MIR DAS DIGITALE ARCHIV ZUR LANGZEITERHALTUNG ELEKTRONISCHER PUBLIKATIONEN VORSTELLEN?
Die Nationalbibliothek baut ihr digitales Langzeitarchiv gemäss des Referenzmodells OAIS (Open Archival Information System) auf. Das Modell hat seine Wurzeln im Gebiet der Raumfahrt: Es wurde vom Consultative Committee for Space Data Systems entwickelt und ist seit 2002 eine offizielle ISO-Norm. Es umfasst sechs Aufgabenbereiche: Datenübernahme (Ingest), Datenaufbewahrung (Archival Storage), Daten Management, Systemverwaltung (Administration), Planung der Langzeitarchivierung der Daten (Preservation Planning), Datenzugriff (Access).

WIE KÖNNEN ELEKTRONISCHE PUBLIKATIONEN AN DIE SCHWEIZERISCHE NATIONALBIBLIOTHEK ABGELIEFERT WERDEN?
Ausgewählte Partnerinstitutionen und auch kleinere Verlage, die nur wenige Titel im Jahr pub-lizieren, können elektronische Publikationen melden. Die Übermittlung kann auf unterschiedli-chen Übertragungswegen erfolgen: via sFTP (holen beim Produzenten), WebDAV, OAI-PMH-Schnittstelle, Anmeldung per Webformular oder über die Plattform e-Helvetica Deposit.

Sammeln / Harvesting

MUSS DIE SCHWEIZERISCHE NATIONALBIBLIOTHEK AUCH ELEKTRONISCHE PUBLIKATIONEN SAMMELN UND WENN JA, WIE GEHT SIE DABEI VOR?
Die Schweizerische Nationalbibliothek hat den gesetzlichen Auftrag, sowohl gedruckte als auch auf anderen Informationsträgern gespeicherte Informationen zu sammeln, zu erschliessen, zu vermitteln und dauerhaft zu sichern. Darunter fallen ebenfalls elektronische Publikationen (online und offline). Die Nationalbibliothek erarbeitet im Rahmen von e-Helvetica die Grundlagen für die Sammlung und Archivierung von schweizerischen elektronischen Publikationen. Auf der anderen Seite bauen wir die Sammlung auf. Der Schwerpunkt bei der Sammlung wird auf Online-Dissertationen, landeskundlich relevante Websites, Online-Verlagspublikationen und elektronische Amtsschriften der Bundesverwaltung gelegt. Unsere Partner sind die Universitätsbibliotheken der Schweiz, die Kantonsbibliotheken der Schweiz, Schweizer Verlage, das Schweizerische Bundesarchiv, die Departemente, Ämter und andere Stellen der Bundesverwaltung sowie andere interessierte Institutionen.

ICH HABE GEHÖRT, DASS IN ANDEREN LÄNDERN GEDRUCKTE UND ELEKTRONISCHE PUBLIKATIONEN OBLIGATORISCH DER NATIONALBIBLIOTHEK ABGELIEFERT WERDEN MÜSSEN. IST DIES IN DER SCHWEIZ AUCH DER FALL?
Die Schweiz kennt die obligatorische Ablieferung von gedruckten und elektronischen Publikationen nicht. Es gibt kein gesamtschweizerisches Pflichtexemplargesetz. Die Ablieferung der Helvetica-Publikationen (alle schweizerischen Publikationen) erfolgt im Rahmen von Vereinbarungen mit den Produzent/innen und Verlagen.

ICH HABE EIN ELEKTRONISCHES BUCH VERÖFFENTLICHT. WIE KANN ICH ES BEI DER SCHWEIZERISCHEN NATIONALBIBLIOTHEK ABLIEFERN?
Sie können Ihr elektronisches Buch zusammen mit den Daten zum Buch über e-Helvetica Deposit, unserer Plattform für Verlage, abliefern. Sie brauchen dazu ein Login, das Sie über Als Verlag registrieren erhalten.

SAMMELT DIE SCHWEIZERISCHE NATIONALBIBLIOTHEK AUCH DIGITALE BILD- UND TONDOKUMENTE?
Schwerpunkt der Schweizerischen Nationalbibliothek ist Textmaterial in Weiterführung des bisherigen Sammelauftrags. Die Nationalbibliothek wird daher z.B. keine Inhalte von Audioplattformen oder Bildagenturen sammeln. Sind aber z.B. in einem e-Book ein Audiofile bzw. Bilder enthalten, so wird das e-Book in seiner Gesamtheit eingesammelt und archiviert werden.

WAS IST HARVESTING?
Unter Harvesting oder Crawling versteht man das automatisierte Einsammeln von Websites oder sogar von ganzen Domains wie .ch. Ausgehend von einem oder mehreren Startdokumenten werden dabei alle über die dort mittels Links erreichbaren Dokumente ebenfalls heruntergeladen. In diesen werden ebenfalls die Links weiterverfolgt, bis alle innerhalb des vordefinierten Bereichs vorhandenen Files vorhanden sind. Es gibt verschiedene Softwares, die für diese Aufgabe geschrieben worden sind. Die Nationalbibliothek setzt Heritrix von Internet Archive ein.

MUSS ICH MEINE DATEN FÜR DIE SCHWEIZERISCHE NATIONALBIBLIOTHEK IN EIN SPEZIFISCHES FORMAT BRINGEN?
Die Schweizerische Nationalbibliothek unterstützt Standardformate. Bei Formaten, die nicht einem Standard entsprechen, muss die Nationalbibliothek von Fall zu Fall prüfen, ob eine Langzeitarchivierung überhaupt möglich ist.

WELCHE SCHNITTSTELLEN UNTERSTÜTZT DIE SCHWEIZERISCHE NATIONALBIBLIOTHEK?
Die Schweizerische Nationalbibliothek unterstützt offene Standardschnittstellen zum Datentransfer wie: HTTP, (S)FTP, WebDAV, OAI-PMH.

Erschliessen / Ingest

WAS GESCHIEHT MIT DEN ÜBERMITTELTEN DATEN DER PRODUZENTEN?
Die Funktionalität zur Entgegennahme dieser Daten stellt das Modul «Ingest» zur Verfügung. Es regelt den Prozess von der Datenübernahme beim Lieferanten bis zur Aufbereitung des Inhalts für das Archivierungssystem. Die angelieferten Daten werden Submission Information Packages (SIP) genannt. Sobald sie den Standardisierungs- und Komplementierungsprozess durchlaufen haben, werden sie als Archival Information Packages (AIP) an das Langzeitarchivierungssystem und den Bibliothekskatalog Helveticat versendet.

WAS SIND METADATEN?
Metadaten sind Daten über Daten. Metadaten sind in unserem Fall die Daten, die das digitale Objekt beschreiben. In den Metadaten steht zum Beispiel wer das digitale Objekt erstellt hat, der Titel, welches Format es hat, mit welchen Rechten darauf zugegriffen werden kann etc.

WELCHE METADATEN WERDEN IN DER SCHWEIZERISCHEN NATIONALBIBLIOTHEK ANGEWENDET?
Die Metadaten der Schweizerischen Nationalbibliothek befinden sich in einem Container, der nach dem METS-Standard der Library of Congress aufgebaut ist.
Für die darin enthaltenen bibliografischen Metadaten wird MARCXML gebraucht. MARCXML wird nach den Erschliessungsregeln von AACR2 (Anglo-American cataloguing rules) ausgefüllt. Für die technischen Metadaten wird das Presmet-Format der National Library of New Zealand benutzt. Die restlichen Metadaten werden direkt in den METS-Metadaten vermerkt.

Archivieren

DIE INFORMATIK IST EINEM STÄNDIGEN WANDEL UNTERWORFEN. WIE KANN DAFÜR GESORGT WERDEN, DASS DIE ELEKTRONISCHEN PUBLIKATIONEN IN EINIGEN JAHREN NOCH GELESEN WERDEN KÖNNEN?
Die Nationalbibliothek plant verschiedene Massnahmen, um die Lesbarkeit der Daten zu erhalten:
─ Daten auf Speichermedien wie Disketten und CD-ROM werden vom Datenträger gelöst und auf einen internen Datenspeicher kopiert.
─ Die Daten werden periodisch auf von der Technologie her aktuelle Speichersysteme umkopiert, damit die Bites und Bytes lesbar bleiben.
─ Informationen in proprietären und veralteten Datenformaten sollen in Datenformate konvertiert werden, die einem offenen, gut dokumentierten Standard entsprechen (Migration).
─ Dort, wo Information und Funktionalität eng verknüpft sind, sollen die alten Systemumgebungen simuliert werden, um die Lauffähigkeit der Programme zu erhalten (Emulation).

KANN DIE SCHWEIZERISCHE NATIONALBIBLIOTHEK EINE GARANTIE ABGEBEN, DASS DIE VON IHR ARCHIVIERTEN ELEKTRONISCHEN PUBLIKATIONEN IN 50 JAHREN NOCH GELESEN UND VERSTANDEN WERDEN KÖNNEN?
Nein, diese Garantie kann gegenwärtig keine Institution abgeben. Die Nationalbibliothek strebt aber eine Zertifizierung ihrer Langzeitarchivierung an. Damit kann sie sicherstellen, dass sie die nach den heutigen Erkenntnissen notwendigen Vorkehrungen für die Langzeitarchivierung von elektronischen Publikationen trifft.

WAS SETZT DIE SCHWEIZERISCHE NATIONALBIBLIOTHEK FÜR SPEICHERSYSTEME EIN?
Die elektronischen Publikationen werden auf dem Langzeitspeicher Ninive abgelegt, der aus einem redundanten NAS-System (Network Attached Storage) besteht. Die dauerhafte Speicherung wird dabei softwaremässig garantiert (Einsatz von SnapLock der Firma Network Appliance). Zusätzlich wird ein inkrementelles Backup der Daten auf Magnetbänder vorgenommen.

Bereitstellen

KANN ICH MIR DIE IN DER SCHWEIZERISCHEN NATIONALBIBLIOTHEK ARCHIVIERTEN ELEKTRONISCHEN PUBLIKATIONEN ANSEHEN?
In e-Helvetica Access können die digitalen Sammlungen der Nationalbibliothek per Volltextsuche abgefragt werden. Die Verfügbarkeit hängt von den rechtlichen Bestimmungen ab. Publikationen können frei verfügbar, eingeschränkt verfügbar oder gesperrt sein. Die Verfügbarkeit ist in e-Helvetica Access in Form eines Ampelsystems ersichtlich.

IN WELCHER FORM KÖNNEN DIE BENUTZENDEN ARCHIVIERTE ELEKTRONISCHE PUBLIKATIONEN EINSEHEN?
Die digitalen Sammlungen sind in e-Helvetica Access nachgewiesen und per Volltextsuche abfragbar. Die Konsultation der digitalen Objekte selber hängt von den rechtlichen Bestimmungen ab. Die Verfügbarkeit der einzelnen Publikationen ist in e-Helvetica Access ersichtlich.

Letzte Änderung 23.11.2016

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