Wilhelm Tell als Symbol des Freiheitskämpfers

Frage einer Maturandin

Stimmt es, dass es im Vietnamkrieg eine bewaffnete Gruppe gab, die sich auf Wilhelm Tell berief?

Der grimmig dreinblickende Wilhelm Tell legt die Armbrust zum Schuss an. Das Original-Bild ziert den Umschlag von David Bollers Comic «Tell», Band 2 «Walter!» aus dem Jahr 2010.
David Boller, Tell. Band 2: Walter!, Mogelsberg: Zampano / Virtual Graphics 2010, Cover © David Boller & Tell Branding, www.tellbranding.ch, www.virtual-graphics.ch

In der Tat gab es das «Détachement Tell» in den Reihen der «Viet Minh» (deutsch: Liga für die Unabhängigkeit Vietnams). Diese Einheit war allerdings im ersten Indochinakrieg von 1946–1954 aktiv und nicht während des späteren Konflikts zwischen den USA und Vietnam.

Im «Détachement Tell» spielte der Zürcher Emil Selhofer eine interessante Rolle: Er war während des Zweiten Weltkrieges in die französische Fremdenlegion eingetreten. Im ersten Indochinakrieg kämpfte er zunächst an der Seite der Franzosen in Südostasien. Angewidert von Menschenrechtsverletzungen, die seine Truppen an der indigenen Bevölkerung begangen hatten, desertierte Selhofer 1947. Er lief zu den vietnamesischen Unabhängigkeitskämpfern über und wurde dort stellvertretender Kompaniekommandant des «Détachement Tell». In dieser Einheit kämpften ausschliesslich ausländische Soldaten, die sich dem Unabhängigkeitskampf der Vietnamesen angeschlossen hatten.

Generell ist festzustellen, dass Wilhelm Tell – ähnlich wie andere Freiheitshelden – durch viele Jahrhunderte und bis nach Indochina eine grossse Symbolkraft entfaltete. Seinen Mythos machten sich im Laufe der Geschichte unterschiedliche «Freiheits»-Kämpfer zunutze. Die Frage, ob es sich um einen legitimen Freiheitskampf oder um terroristische Gewalt handelte, war meistens umstritten. So verübten 1969 palästinensische Attentäter in Kloten einen Terroranschlag, den sie ebenfalls mit Wilhelm Tells Tyrannenmord zu legitimieren versuchten.

Der Frage «Wilhelm Tell – Freiheitsheld oder Killer?» geht Simon Bradley ausführlicher nach in einem Text auf «swissinfo.ch».

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Letzte Änderung 10.07.2018

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