Projekt allgemeiner Instruktionen nach der Revolution in der Schweiz

Schweizowiki malt sich sein Wappen, rotes Kreuz im roten Feld
Schweizowiki malt sich sein Wappen, rotes Kreuz im roten Feld, Fritz Boscovits (Bosco), In: Nebelspalter 70. Jg., Nr. 26 vom 29. Juni1944, NB-Signatur: Pq 17317, © Nebelspalter

Frage eines Pressehistorikers

Die Zeitung Die Botschaft veröffentlichte am 14. Juli 1928 Auszüge aus angeblichen Generalinstruktion nach der Revolution in der Schweiz des Oltener Komitees von 1918. Gibt es bei Ihnen dokumentarische Unterlagen darüber?

 

Antwort von SwissInfoDesk

Unter dem Titel Projekt allgemeiner Instruktionen nach der Revolution in der Schweiz ist dieser Text in deutscher Übersetzung erstmals am 24. April 1919 publiziert worden. Vollständig abgedruckt wurde er z.B. in der Mittagsausgabe der Basler Nachrichten vom 24. April 1919.

Tags zuvor hatte Serge Persky die französische Version in der Gazette de Lausanne (GdL) veröffentlicht. Angeblich handelte es sich dabei um eine Weisung der Sowjetregierung an den sowjetrussischen Vertreter in Berlin Adolf Joffe. Persky sah sich allerdings veranlasst, in seinem Kommentar zu schreiben, das Oltener Komitee müsse diese Weisung nicht unbedingt gekannt haben.

Das Oltener Aktionskomitee bezeichnete die «Weisung» am 26.4.1919 in der Berner Tagwacht und der Sentinelle mit überzeugender Begründung als plumpe, entweder von Persky selbst angefertigte oder vom ihm weiterverbreitete Fälschung. Auch Karl Radek, der angeblich als Diktator der Schweiz vorgesehen war, schickte ein Dementi.

Gemäss Willi Gautschi (Landesstreik, S. 171, Anm. 49) schrieb auch der eidgenössische Untersuchungsrichter Albert Calame bereits am 8.5.1919 an den Bundesanwalt, dass es sich höchstwahrscheinlich um eine Fälschung aus exilrussischen Kreisen handelte. Der Bundesrat hielt demgegenüber in seinem Geschäftsbericht 1920 (S. 337ff.) zwar das Dokument für durchaus glaubwürdig, doch könne nicht nachgewiesen werden, dass Schweizer und die Angehörigen der Sowjetmission ein solches Dokument überhaupt erhalten hätten. Wegen fehlender Nachweise werde deshalb die Untersuchung über bolschewistische Umsturzpläne in der Schweiz eingestellt.

Trotzdem wurde der Text noch lange weiterverbreitet, namentlich von Paul de Vallière (Les troubles révolutionnaires en Suisse de 1916 à 1919 par un témoin, o.O.: Payot 1926), und noch 1970 in einer vom Walliser Historiker Michel Salamin herausgegeben Quellensammlung

Serge Persky, Le plan de terrorisme en Suisse. Un nouveau document bolchévik, in :

Une nouvelle mensongère, in :

Un dementi à Serge Persky, in :

Das Oltener Komitee, das unter Robert Grimms Führung den landesweiten Generalstreik vom November 1918 in der Schweiz organisiert hatte, wurde von seinen politischen Gegnern der Sympathien für die bolschewistische Oktoberrevolution bezichtigt. Es könnte deshalb durchaus sein, dass die «Weisung» – absichtlich oder aus Unwissen – zusammengeworfen wurde mit Grimms Entwurf zur «Generalstreikfrage», dem sogenannten «Bürgerkriegsmemorial» zuhanden der gemeinsamen Konferenz von SGB- und SP-Leitung vom 1. März 1918. Dieses Dokument befindet sich im Archiv des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) und ist als Digitalisat online zugänglich.

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Letzte Änderung 09.11.2017

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