Das erweiterte Ausleihnetz BibliOpass

Erste Schritte zu einer gemeinsamen LeserInnenkarte

Erschienen in: Arbido, November 1997, Nr. 11, p. 6-7

Warum?

Die Idee BibliOpass entstand vor dem Hintergrund der sich in letzter Zeit rasch wandelnden Bibliotheksszene Schweiz.

Die Veränderungen sind unter anderem in der Infrastruktur unserer BIbliotheken zu suchen. Die abgestimmte Vereinheitlichung der Bibliothekssysteme sowohl für zentrale Funktionen, (Katalogisierung) wie auch für lokale Vorgänge (darunter die Ausleihe), entwickeln sich rasch. VTLS wird im Westen und Süden des Landes eingesetzt, und im Norden und Osten sind die Bibliotheken ebenfalls mit der Wahl eines einheitlichen Bibliothekssystems beschäftigt.

Eine andere wichtige Entwicklung zeichnet sich in der Benutzung ab: die vermehrt kooperierenden Universitäten bringen Studierende und ProfessorInnen in Bewegung. Diese benutzen in zunehmendem Masse andere Bibliotheken als die ihrer Universitäten. Zusätzlich zu dieser Tendenz kommen die BenutzerInnen aus nichtuniversitären Kantonen, die zwischen Wohn- und Studienort pendeln. Ein grosser Teil unserer BenutzerInnen nimmt die Dienstleistungen verschiedener Bibliotheken in Anspruch.

Was ist BibliOpass?

1994 entwarf die Gruppe CDROM (Comité des directeurs des grandes bibliothèques romandes et tessinoises), der sich die Schweizerische Landesbibliothek anschloss, das Projekt BibliOpass. BibliOpass soll als Antwort auf die oben beschriebenen Entwicklungen den Zugang zu Informations- und Dokumentationsquellen vereinfachen.

Es ist vorgesehen, allen eingeschriebenen Leserinnen und Lesern der zum Bibliotheksnetz BibliOpass gehörenden Institutionen (sogenannte Stammbibliotheken) den Zugang zur Ausleihe in allen anderen Institutionen (sogenannte Gastbibliotheken) mittels einer einfachen Einschreibeprozedur ohne Ausstellung einer neuen LeserInnenkarte zu ermöglichen. Analog zu Kreditkarten, die den Zugang zu Dienstleistungen verschiedener Banken ermöglichen, offeriert BibliOpass seiner Besitzerin/seinem Besitzer die Ausleihe von Dokumenten in allen dem Netz angeschlossenen Bibliotheken.

Obschon eine Vereinheitlichung wünschbar ist, sind die Ausleihbedingungen im Rahmen von BibliOpass jene, die die Gastbibliothek für Ihre Stammkundschaft vorsieht. Die Dienstleistungen der Fernleihe konzentrieren sich weiterhin auf die Referenz- oder Stamminstitution. Anstelle dass Dokumente verschickt werden, erleichtert man den Benutzerinnen und Benutzern den Zugang dazu vor Ort! Die Idee BibliOpass entwickelt die Zusammenlegung der Ressourcen auf eine ungewöhnliche Art.

Wie?

Die technischen Voraussetzungen, über die eine Bibliothek zur Teilnahme an BibliOpass verfügen muss, sind nicht zahlreich und einfach:
- ein informatisiertes Ausleihsystem
- die Numerierungsstruktur muss die Eindeutigkeit der LeserInnenidentifikation im ganzen Netz gewährleisten. Jeder Bibliothek bzw. jeder Region wird ein Präfix verliehen
- der Strichcode muss einem gängigen Standard entsprechen, der von den auf dem Markt vorherrschenden Einheitsausrüstungen gelesen werden kann
- ein Arbeitsmodul der informatisierten Ausleihe muss regelmässig die aktuelle Liste der vergebenen Kartennummern ausdrucken können.

Das Projekt beabsichtigt keine umfangreichen Informatikentwicklungen wie den Zusammenschluss aller Ausleihsysteme. Nicht weil solche Entwicklungen nicht wünschbar wären, sondern weil sie für das Funktionieren des Netzes nicht unabdingbar sind.

Wichtig ist ferner zu wissen, dass BibliOpass nicht von einem bestimmten Bibliothekssystem abhängig ist. Natürlich wäre die praktische Umsetzung des Projekts in einer homogenen Umgebung, wie sie sich beispielsweise mit VTLS in der West- und Südschweiz präsentiert, einfacher zu realisieren. Aber obschon das Projekt von den VTLS-Bibliotheken gestartet werden wird, ist klar, dass das Netz nach Möglichkeit alle interessierten Institutionen unabhängig von ihrem Informatiksystem aufnehmen wird.

Die Organisation

Als Netzstruktur ist ein durch Abmachungen geregelter Verband von Bibliotheken vorgesehen. Eine der Bibliotheken, (z.B. die Schweizerische Landesbibliothek) würde die technische Koordination des Netzes (Präfixverwaltung der LeserInnenkarten, Liste aller vergebenen Nummern) und die Kommunikation zwischen den Bibliotheken gewährleisten. Sie würde auch als Verteilerin des BibliOpass-Logos dienen, welches die angeschlossen Bibliotheken in der Ausleihe und den öffentlich zugänglichen Räumen verwenden könnten um ihre Benutzerinnen und Benutzer auf die Teilnahme am Projekt aufmerksam zu machen.

Mit der Verwaltung der Einstiegsformalitäten würden bereits existierende Schnittstellen betraut. Diese erhielten die Anfragen von an BibliOpass interessierten Bibliotheken und würden ihnen die Abmachungen zur Genehmigung unterbreiten. Für die Westschweiz und den Tessin würden RERO oder CDROM diese Rolle übernehmen. Andere Annahmestellen könnten vorgesehen werden.

Mehrere VTLS-Bibliotheken sind schon bereit, diese neue Dienstleistung einzuführen. Andere erhalten jederzeit die Gelegenheit, sich BibliOpass im Rahmen ihrer Voraussetzugen anzuschliessen. Es ist klar, dass das Netz nur interessant ist, wenn es eine gewisse kritische Menge von LeserInnen und Bibliotheken erreicht. Alle Erfolgsbedingungen sind mit der neuen Art, die in unserem Land zerstreuten dokumentarischen Quellen in einem Netz zugänglich zu machen, erfüllt. BibliOpass wird unseren Benutzerinnen und Benutzern mit einer einfachen Organisation und ohne kostspielige Investitionen eine beachtliche Dienstleistung anbieten.

Letzte Änderung 03.04.2007

Zum Seitenanfang

https://www.nb.admin.ch/content/snl/de/home/dienstleistungen/benutzung-unserer-sammlungen/bibliopass/bibliopass---pressespiegel/das-erweiterte-ausleihnetz-bibliopass.html