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Umzug

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Aktualisiert am 24. Sept. 2026

Einmonatige Schliessung aufgrund des Umzugs: Vom 30. Oktober um 18 Uhr bis einschliesslich 29. November 2026. Wiedereröffnung am 30. November um 9 Uhr an der neuen Adresse: Monbijoustrasse 74, 3003 Bern.

Veröffentlicht am 20. Oktober 2026

Ein zweifaches Vermächtnis: Friedrich Staub und die Landesbibliothek

Zum Nukleus der 1895 gegründeten Schweizerischen Landesbibliothek gehört eine Privatsammlung, die dem Auftrag dieser nationalen Einrichtung vollends entspricht, aber auch weit darüber hinaus geht. Deren Besitzer, der Zürcher Friedrich Staub, bekannt als Begründer des «Schweizerischen Idiotikons», hat nicht nur eine umfangreiche Sammlung von gedruckten Helvetica zusammengetragen, er war auch Initiant dieser Einrichtung, die er als «Centralbibliothek der schweizerischen Literatur» bezeichnet wissen wollte.

Von Dr. Isabelle Kirgus

Diese anonyme Fotografie von ca. 1880 zeigt ein Brustbild von Friedrich Staub.

Friedrich Staub, ein Sprachenthusiast

Friedrich Staub (1826 – 1896), dessen Geburtstag sich im Jahr 2026 zum 200sten Mal jährt, stammt aus der Gemeinde Männedorf an der Zürcher Goldküste. Er wuchs in einer wohlhabenden Fabrikantenfamilie auf und studierte Geschichte und Philologie in Zürich und Bonn. Schon früh begeisterte er sich für die Schweizer Kultur, Geschichte und insbesondere für das Schweizerdeutsch. Nach vielen Jahren als Lehrer in einem privat geführten Internat war Staub von 1871 bis 1887 an der Stadtbibliothek Zürich, der heutigen Zentralbibliothek, angestellt. Seine Liebe zum Gedruckten und zur Schweizer Sprache liess ihn (in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Sprachwissenschaftler Ludwig Tobler, 1827–1895) bereits ab 1862 das Vorhaben des «Schweizerischen Idiotikons. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache» in Angriff nehmen: Dieses lexikalische Unterfangen, das den Wortschatz der Schweizer Dialekte dokumentiert, dauert bis heute an. Staub agierte als Chefredaktor und konnte das Wörterbuch bis zu seinem Tod auf bereits vier Bände vorantreiben.

Vereinigung aller landeskundlichen Schriften und Veranschaulichungen

Es war die grundlegende Arbeit am Wörterbuch, die Friedrich Staub auf den Umstand eines Mangels in der Schweiz aufmerksam werden liess: Die mühsame Beschaffung von Quellen als Belege für schweizerdeutsche Wörter und ihre regionalen Varianten. Denn das Schrifttum zur Schweiz war auch Jahrzehnte nach der Begründung des Bundesstaats 1848 noch über das ganze Land verstreut, wenn es denn überhaupt gesammelt wurde. Wenige Jahre vor seinem Tod verlieh Staub daher in einem persönlich an den Bundesrat des Innern, Carl Schenk (1823-1895), gerichteten Brief Nachdruck hinsichtlich der Notwendigkeit der Einrichtung einer «Centralbibliothek der schweizerischen Literatur» (4. März 1891). Und im gleichen Zuge kam er auch auf den benötigten Sammelauftrag dieser Institution zu sprechen: Neben Literatur des In- und Auslandes, die «unser Volk und unser Land» betreffen, setzte sich Staub sehr stark für die «artistischen Darstellungen» ein. Darunter verstand er künstlerische Druckwerke, die die Schweiz und ihre Bewohnerinnen und Bewohner abbilden, also Landschafts- und Ortsansichten sowie Porträts, aber auch Darstellungen von Gebräuchen oder historischen Ereignissen. Die Wirkung dieser bildlichen Darstellungen schätzte er als komplementär ein zum textlichen Dokument. Besonders in der gemeinsamen Betrachtung von Texten und Bildern zum gleichen Thema sah er eine ideale Grundlage für die wissenschaftliche Erforschung der Schweiz.

Tatsächlich legte der Bundesrat dieses private Ansinnen der «Kommission für schweizerische Landeskunde» zur Prüfung vor. Diese empfahl im März 1892: «Es möge der Bund die eidg[enössische] Centralbibliothek mit der Sammlung aller in der Schweiz erscheinenden Drucksachen einschliesslich von Bildern aller Art, Musikalien etc. betrauen und ihr zu diesem Zweck ein ausreichendes Personal zur Verfügung stellen» (BAR, E 83 / 1000 / 1162). Der Bundesbeschluss von Ende 1894 besiegelte die Initiative von Friedrich Staub. Damit war der Grundstein für die Schweizerische Landesbibliothek gelegt.

Ausschnitt aus dem Inventar des Jahres 1898 mit Eintragungen zur Sammlung Staub (Foto: NB, Flurin Bertschinger)

Eine raumgreifende Erwerbung

Bereits zu Lebzeiten war es Friedrich Staub ein grosses Anliegen gewesen, seine über Jahrzehnte angelegte Privatsammlung an landeskundlichem Schrifttum in die seit 1895 operative Schweizerische Landesbibliothek einzugliedern. Die Sammlung diente inzwischen auch als Arbeitsbibliothek für die Redaktion des «Schweizerischen Idiotikons». Er starb ein Jahr nach der Gründung dieser von ihm initiierten Institution, aber seine Familie konnte den Wunsch noch umsetzen. Im Dezember 1897 bewilligte die Bundesversammlung auf Antrag des Bundesrates den Betrag von 25'000.- Franken für den Ankauf der Staubschen «Bücher- und Blättersammlung» für die Landesbibliothek. Dieser Preis erscheint sehr stattlich, aber es handelte sich doch immerhin um annähernd 100'000 zu erwerbende Stücke. Zum damaligen Zeitpunkt, also 1898, im vierten Betriebsjahr der Bibliothek, bezifferten sich alle bis dahin aufgenommenen Druckschriften ebenfalls auf 100'000 Einheiten (Jahresbericht 1897). Der Ankauf der Sammlung Staub führte demnach zu einer Verdoppelung der Bestandeseinheiten und damit auch zu grösseren personellen Problemen bei deren Bearbeitung, die ab 1898 in Angriff genommen wurde. Indes war der erste Standort der Schweizerischen Landesbibliothek, eine Vierzimmerwohnung an der Christoffelgasse 7 in Bern, nicht auf ein so schnelles Wachstum der Bestände ausgerichtet. Erst im Herbst des Jahres 1900 entschärfte sich die Situation, als deren erster Neubau an der Archivstrasse, dem Standort des heutigen Bundesarchivs, bezogen werden konnte.

Auf einem Tisch liegen einige druckgrafische Werke und einige Bücher aus der Sammlung Staub (Foto: NB, Flurin Bertschinger)

Schrift- und Bildschatz

Neben den etwa 22'000 helvetischen Druckschriften (Bücher, Broschüren, Zeitschriften, Vereinsschriften), deren Erwerb für eine Landesbibliothek nachvollziehbar ist, erstaunt der Umstand, dass sich in der 100'000 Einheiten umfassenden Sammlung Staub auch um die 73'000 sogenannte «Blätter» befanden. Hinter dieser Kategorie verbargen sich druckgrafische Ansichten und Panoramen, Porträts von Schweizerinnen und Schweizern, Darstellungen von Schweizer Trachten, Festen und Umzügen, aber auch historische Darstellungen und Karikaturen. Ein immenser Bildschatz, der in den Grundbestand der Landesbibliothek einging und den Empfehlungen der Gründungskommission entsprach. Im Sammelauftrag der Bibliothek, wie er erstmals im Jahr 1911 im «Bundesgesetz betreffend die Schweizerische Landesbibliothek» niedergelegt wurde, wurden bildliche Helvetica zwar nicht mehr einbezogen. Gleichwohl besitzt die Schweizerische Nationalbibliothek, wie sie heute heisst, mit der Graphischen Sammlung eine Abteilung, die sich, gestützt auf die Nationalbibliotheksverordnung von 1998, weiterhin dem bildlichen Kulturerbe der Schweiz, und damit implizit dem Erbe Friedrich Staubs, widmet!

Zweifaches Vermächtnis

Mit der Erwerbung der Privatsammlung Staub, die sowohl textliches als auch visuelles Schweizer Kulturgut vereint, war dem Ansinnen dieses visionär agierenden Philologen und Bibliothekars posthum Genüge getan. Friedrich Staub hat sich demnach gleich zweifach in die Geschichte der Schweizerischen Nationalbibliothek eingeschrieben: als deren Initiator sowie – materiell – mit seiner umfangreichen Schriften- und Bildersammlung, die den Grundstock des heutigen, mehrere Millionen Einheiten umfassenden Wissensspeichers «Schweizerische Nationalbibliothek» bildet.

Einerseits ein Besitzstempel in blauer Farbe, 2 konzentrische blaue Ovale und zuinnerst bezeichnet «F. Staub». Damit hat Staub seine Werke gekennzeichnet. Andererseits ein ebenfalls ovaler Stempel in violett, welcher als Eingangsstempel der damaligen Landesbibliothek verwendet wurde.

Bibliografie und Quellen