Eugen Gomringer im SLA

Eugen Gomringer wurde 1925 in Bolivien geboren und siedelte als Kleinkind in die Schweiz über. Während seiner Berner Studienzeit versuchte er sich zunächst an traditionellen Gedichtformen, vor allem Sonetten. Dann, 1944, inspirierte ihn eine Ausstellung der Zürcher Konkreten dazu, den Weg zum Experimentellen hin zu beschreiten: Ab 1950 verfasste er seine ersten konkreten Gedichte, die «Konstellationen», platzierte diese in der von ihm mitbegründeten Avantgarde-Zeitschrift spirale (1953) und untermauerte sie mit dem Manifest vom vers zur konstellation (1954), einer der fortan einflussreichsten theoretischen Schriften der Konkreten Poesie.
Seinen Ruf als wichtigster Promoter und Repräsentant der Konkreten Poesie im deutschsprachigen Raum zementierte Gomringer in den nachfolgenden Jahren weiter mit Sammelbänden, Herausgeber- und Zeitschriften, die auch international für Aufsehen sorgten: den 33 konstellationen (1960), der selbstverlegten Reihe konkrete poesie – poesia concreta (1960–1965), worte sind schatten (1969) oder den Reclam-Anthologien konkrete poesie (1972) und konstellationen, ideogramme, stundenbuch (1977).
Gomringer war hervorragend vernetzt mit Konkreten und Konstruktivisten aus aller Welt, verkehrte etwa mit der «Wiener Gruppe», den brasilianischen «Noigandres»-Poeten, pflegte Kontakte zu Max Bense und Max Bill, Josef Albers und Victor Vasarely, unternahm Vortragsreisen durch die USA und Südkorea, hatte Freunde und Bewunderer in Japan. Regelmässig arbeitete er mit gleichgesinnten Poeten und Künstlern zusammen, kuratierte Ausstellungen, hielt Ästhetik-Vorlesungen an Hochschulen, sammelte, archivierte und handelte mit Kunst oder förderte den poetischen Nachwuchs. Parallel dazu arbeitete er rund vier Jahrzehnte lang als Kulturbeauftragter in der Warenindustrie, leitete den Schweizer Werkbund und wirkte massgeblich in Stiftungsräten mit. 2000 gründete er in seiner oberfränkischen Wahlheimat Rehau sein eigenes «Institut für Konstruktive Kunst und Konkrete Poesie» (IKKP).
Für sein Lebenswerk erhielt Gomringer nach der Jahrtausendwende mehrere gewichtige Preise, darunter den Bayerischen Verdienstorden (2008), den Rilke-Preis (2009), den Alice Salomon Poetik Preis (2011) und den «Cóndor de los Andes»-Orden des Staates Bolivien (2022). Zwischen 1995 und 2006 erschien in der Wiener Edition Splitter eine vierbändige Gesamtausgabe aller seiner Schriften.
Schweizerische Nationalbibliothek
Schweizerisches Literaturarchiv
Hallwylstrasse 15
Schweiz - 3003 Bern