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E wie Einstein. Die Dramaturgie des Zufalls – Dürrenmatt und die moderne Physik. Eduard Kaeser

Welche Rolle spielte Einstein für Dürrenmatt? Im Rahmen der Ringvorlesung zu Dürrenmatts 100. Geburtstag fragt Eduard Kaeser nach Parallelen und Unterschieden zwischen dem Denken Dürrenmatts und der modernen Physik.

Einstein hatte sich nie mit dem Gedanken eines würfelnden Gottes anfreunden können. Sein ganzes Leben lang widersetzte er sich einer bestimmten Interpretation der Quantentheorie, wonach in der Mikrowelt der Zufall Regie führt – also quasi die Würfel Gott spielen. Dürrenmatt hat diese Idee erzählerisch variiert, etwa im Roman „Das Versprechen“. Darin gelingt es Kommissar Matthäi fast, einen Serientäter mit wissenschaftlichen Profiliermethoden zur Strecke zu bringen; aber der Kriminelle kommt vorher zufällig durch einen Verkehrsunfall ums Leben. 

In der Quantenphysik gilt: Alles, was theoretisch möglich ist, geschieht auch – mehr oder weniger wahrscheinlich. Selbst das scheinbar Absurdeste kann geschehen. Man muss nur die nötigen experimentellen Bedingungen dazu schaffen. Das musste Dürrenmatt faszinieren. Er lässt das Mögliche – also auch das Absurde - unter literarischen Bedingungen Wirklichkeit werden. Dürrenmatt ist der Quantentheoretiker unter den modernen Schriftstellern.

Zur Person: Eduard Kaeser, Dr. phil., Philosoph, Physiker und Jazzmusiker, schreibt regelmässig Essays für verschiedene Medien. Zuletzt erschienen: Ich trotze, also bin ich. Philosophische Alltagsanfälle (Schwabe, 2019).

Dürrenmatt von A bis Z. Ringvorlesung im Schweizerischen Literaturarchiv

Schweizerische Nationalbibliothek

Irmgard Wirtz
Schweiz. Literaturarchiv
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