D wie Distanz. Zu einem poetologischen Kernbegriff Dürrenmatts. Moritz Wagner
Im Rahmen der Ringvorlesung aus Anlass von Dürrenmatts 100. Geburtstag beleuchtet Moritz Wagner den Begriff der «Distanz», einen gattungsübergreifenden Kernbegriff der Poetik Dürrenmatts.
«Distanz» bildet einen gattungsübergreifenden Kernbegriff der Poetik Dürrenmatts. Wiederholt hat er die zeitliche Distanzierung als poetisches Mittel dafür benannt, die Probleme der Gegenwart intellektuell erfassen und literarisch verfassen zu können. Auf das damit zusammenhängende künstlerische Darstellungsproblem verwies er in den Fingerübungen zur Gegenwart: «Man kann heute die Welt nur noch von Punkten aus beobachten, die hinter dem Mond liegen, zum Sehen gehört Distanz, und wie wollen die Leuten denn sehen, wenn ihnen die Bilder, die sie beschreiben wollen, die Augen verkleben?» (S. 32) Ohne Distanz gebe es schlicht «keine Kunst und kein Kunstwerk». (G 2, S. 223) Besonders drei Facetten soll unser Augenmerk gelten: 1. Distanz als Gattungskonstituens der Komödie und als Humor. 2. Distanz als ästhetisches Verfahren der Verfremdung. 3. Distanz als Paradigma des Fiktionalen im Kontext der dürrenmattschen «Gegenwelt».
Moritz Wagner, Dr. phil., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Schweizerischen Literaturarchiv und stellvertretender Leiter des Dienstes Erschliessung und Nutzung. Zuletzt erschienen: Moritz Wagner (Hg.): Ulrich Becher: New Yorker Novellen (Schöffling).
Dürrenmatt von A bis Z. Ringvorlesung im Schweizerischen Literaturarchiv
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