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Umzug

Umzug

Aktualisiert am 24. Sept. 2026

Wegen einer Veranstaltung bleibt der Lesesaal am Donnerstag, dem 15. Oktober 2026, geschlossen. Einmonatige Schliessung aufgrund des Umzugs: Vom 30. Oktober um 18 Uhr bis einschliesslich 29. November 2026.Wiedereröffnung am 30. November um 9 Uhr an der neuen Adresse: Monbijoustrasse 74, 3003 Bern.

1900. Aloys Schulte: Die Gründung

Im Jahr 1900 veröffentlicht der deutsche Archivrat und Mediävist Aloys Schulte ein zweibändiges, über tausend Seiten zählendes Werk: Geschichte des mittelalterlichen Handels und Verkehrs zwischen Westdeutschland und Italien mit Ausschluss von Venedig. Über zehn Jahre hat er an dem Buch gearbeitet, das trotz dem sperrigen Titel ein ökonomischer Erfolg wird. Im Vorwort gibt der Autor seiner grossen Erschöpfung Ausdruck: «Mit einiger Resignation nehme ich von dem Buche Abschied. Es wird mir genügen, wenn es der Forschung auf diesem weiten Felde der Handelsgeschichte einen neuen Impuls giebt.»

Das tut das Werk, und zwar nicht nur auf dem Gebiet der Wirtschaftsgeschichte. Es begründet gar einen neuen Schweizer Mythos. Aloys Schulte kommt nämlich zum Schluss, dass im Mittelalter die wichtigste Verbindung zwischen Nord und Süd, zwischen Deutschland und Italien, über den Gotthard lief. Zustande gekommen sei sie wahrscheinlich um 1220 dank dem geschickten Schmied von Ursern, der in der Schöllenenschlucht die «stiebende Brücke» angelegt habe. Kaum sei die wirtschaftlich bedeutsame Passage eröffnet gewesen, hätten sich Grossmächte und Einheimische darum gestritten. Aus diesen Konflikten sei 1291 der eidgenössische Bund gegen Habsburg entstanden, der sich 1315 mit der Schlacht von Morgarten etabliert habe. So sei aus dem Passweg, resümiert Schulte, «ein Passstaat» erwachsen, «die Schweiz, deren Vater nicht der sagenhafte Tell ist, sondern der Mann, der die stäubende Brücke ersann und ausführte!»

Damit liegt der Gotthard-Mythos in seinen Grundzügen vor. Er besagt, dass der Gotthard die Entstehung der Eidgenossenschaft begünstigt und quasi die Bühne für deren Formierung geboten habe. Es fehlen allerdings Wilhelm Tell und mit ihm der eidgenössische Freiheitswille. Die Eidgenossenschaft verdankt sich nach Schulte letztlich globalen wirtschaftlichen Bedürfnissen. Diese Darstellung konnte man als Provokation auffassen. Der Zürcher Historiker Karl Meyer sollte dann 1912 Wilhelm Tell und das Konzept der Willensnation Schweiz in den Gotthard-Mythos einführen.