Schweizerische Nationalbibliothek NB

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Die Schweizerische Nationalbibliothek von 2007 bis 2011: Eine Bilanz

In den letzten fünf Jahren hat die Schweizerische Nationalbibliothek (NB) ihre Dienstleistungen erweitert, die Erschliessung verbessert, eine elektronische Sammlung aufgebaut. Die hohen Konservierungsstandards wurden gehalten. Möglich wurde dies alles dank enger Zusammenarbeit mit verwandten Institutionen.


Marie-Christine Doffey, Direktorin der NB. Foto: Guadalupe Ruiz

In der Strategie 2007‒2011 gab sich die NB ehrgeizige Ziele. Wir hatten uns vorgenommen

  • die Dienstleistungen auf die wichtigsten Nutzerinnen und Nutzer auszurichten,
  • die Papierkonservierung zu einem Kompetenzzentrum auszubauen,
  • eine Sammlung von elektronischen Helvetica aufzubauen.

Im Leistungsauftrag 2009-2011 verpflichtete uns der Bundesrat zusätzlich dazu:

  • uns mit den Schweizer Kantons- und Universitätsbibliotheken, den primären Nutzergruppen und den anderen Nationalbibliotheken zu koordinieren,
  • Lösungen für die optimale Betreuung der bibliotheksspezifischen IT-Applikationen zu suchen.

Was wir seit Jahrzehnten selbstverständlich tun, ist ebenfalls ein Schwerpunkt des Leistungsauftrags: die Sammlung gedruckter Werke vollständig halten, sie für Ausleihe und Vermittlung zur Verfügung stellen, die Nutzenden beraten.
Wo steht die NB am Ende der Leistungsauftragsperiode, am Schluss der Strategieperiode?

Nutzung wird komfortabler

Die Benutzung ist wesentlich komfortabler geworden. Als zweiter Hauptkatalog der NB ging 2008 die Archivdatenbank HelveticArchives online, die die Bestände des Schweizerischen Literaturarchivs (SLA) und der Graphischen Sammlung (GS) erschliesst. Der Bibliothekskatalog Helveticat wurde laufend verbessert. Digitalisate können direkt aus dem Katalog bestellt werden, die lebenden Zeitschriften sind integriert, Neueinträge werden mit Inhaltsverzeichnissen angereichert. Swissbib, der Metakatalog der Schweizer Hochschulbibliotheken und der NB, erleichert die Recherche zusätzlich. Wer in die Bibliothek kommt, findet erneuerte Publikumsräume mit verbesserter technischer Infrastruktur vor.

Unsere besondere Aufmerksamkeit gilt Studierenden und Fachleuten der Schweizer Geschichte, der Schweizer Literaturen, der Schweizer Kunst und Architektur, der Informations- und Dokumentationswissenschaften. Jeder dieser Fachbereiche verfügt nun über eine eigene, frei zugängliche Schwerpunktbibliothek.

Die neue Online-Version der Bibliographie der Schweizergeschichte (BSG)  erleichtert besonders Historikern und Historikerinnen die Arbeit, ebenso wie die Zeitungen und Zeitschriften, die in Zusammenarbeit mit Dritten digitalisiert und online aufgeschaltet wurden.

Neue Quellen und neue Themen in die Literaturwissenschaft bringt das SLA. Es hat in den letzten Jahren die Forschungszusammenarbeit und die Publikationstätigkeit erweitert. Sein ureigenes Forschungsgebiet ist die Editionsphilologie, das es auch in der Lehre an Schweizer Universitäten vertritt. Eindrücklich sichtbar wurde die Bedeutung des SLA am Festakt zu seinem 20jährigen Bestehen am 14. Januar 2011.

Von besonderem Interesse für auf Kunst und Architektur Spezialisierte ist die Graphische Sammlung. Dank einer zentralen Ansprechsstelle kann sie nun komfortabel genutzt werden. Das Netzwerk der Institutionen, die dem Schweizer Plakatgesamtkatalog angeschlossen sind, erweitert sich laufend. Die anderen Teilsammlungen der GS werden eine nach der anderen in HelveticArchives erschlossen. Ein umfassendes Sammelkonzept sichert die kontinuierliche Entwicklung. Forschungskooperationen sind im Aufbau.

An Informations- und Dokumentationsspezialisten im weitesten Sinne richten sich die Beratungsdienstleistungen der NB in der Papierkonservierung, der elektronischen Archivierung und in der Digitalisierung. Vor allem aber profitieren Fachkolleginnen und -kollegen von der Koordinationsrolle der NB, die sie in nationalen und internationalen Gremien wahrnimmt.

Alle diese Neuerungen waren nötig, um die Nachfrage nach unseren Dienstleistungen übers Ganze gesehen konstant zu halten. Vor Ort geht sie eher zurück, online nimmt sie zu. Im SLA, in der GS und bei der BSG haben die Innovationen ein deutliches Ansteigen der Nutzung bewirkt.

Konservierungsstandards bleiben hoch

Seit langem ist die NB in der Schweiz führend in der Papierkonservierung. Zusammen mit dem Bundesarchiv leistete sie Pionierarbeit in der Papierentsäuerung. Nach zehn Jahren Massenentsäuerung ist der grösste Teil der Dokumente, die sich für dieses Verfahren eignen, behandelt. Was noch zu entsäuern bleibt, muss einzeln angesehen werden. Tests dafür werden zurzeit durchgeführt.

Der Höhepunkt der letzten Jahre war die Eröffnung des neuen Tiefmagazins West im Jahr 2009. Wie sein Vorgänger, das Tiefmagazin Ost, entspricht es höchsten Konservierungsstandards. Die beiden Magazine können die Printdokumente bis in die 2030er Jahre aufnehmen. Die Sammlungen sind im Wesentlichen gut erhalten. Dies bestätigt die Zustandserhebung, die in den letzten Jahren durchgeführt wurde. Wo Handlungsbedarf besteht, sind Massnahmen in die Wege geleitet.

Die Konservierungskompetenzen der NB stehen gegen Entgelt nun auch anderen Institutionen und Privaten zur Verfügung. Ein eigenwirtschaftlich funktionierendes Kompetenzzentrum kann daraus allerdings nicht werden. Bundesrechtliche Regelungen stehen dem entgegen.

Elektronische Sammlung ist zugänglich

Die Sammlung der elektronischen Helvetica wächst laufend. Sie besteht aus zwei Teilen. Zum einen enthält sie digital entstandene Dokumente, wie zum Beispiel Websites, elektronische Bücher und Zeitschriften. Dieser Teil wird zunehmend wichtiger werden, da immer mehr elektronisch publiziert wird. Zum anderen umfasst die Sammlung digitalisierte Drucke - Bücher, Zeitschriften, Plakate und anderes. Beide Sammlungsteile entstehen und wachsen dank der Zusammenarbeit mit Dritten. Beteiligt sind Kantons- und Universitätsbibliotheken, Verlage sowie Ämter des Bundes.

Für alle Arten von elektronischen Dokumenten bestehen nun Zugriffsplattformen. Soweit das Urheberrecht es erlaubt, sind original elektronische Dokumente und digitalisierte Monographien via www.e-helvetica.nb.admin.ch abrufbar. Spezifische Plattformen eröffnen den Zugang zu Zeitschriften, Zeitungen, Plakaten und digitalisierten Archivdokumenten.

Auch im elektronischen Bereich ist die NB in der Schweiz weit vorne. Dokumentiert wird das beispielsweise dadurch, dass die Verantwortlichen des Schweizerischen Handelsamtsblatts die elektronische Ausgabe in der NB archivieren lassen. Die von der NB und RERO  gemeinsam eingerichtete Plattform www.digicoord.ch dient der Koordination der Digitalisierung in den Schweizer Bibliotheken.

Koordination und Standardisierung erhöhen den Recherchekomfort

Koordination ist unerlässlich für die Standardisierung, eine wesentliche Voraussetzung für den Datenaustausch und damit für die Erhöhung des Recherchekomforts. Der internationalen Koordination dient eine Vielfalt von Gremien. Mitarbeitende der NB bekleiden leitende Funktionen bei der IFLA, der European Dewey Usersʼ Group und im trinationalen Standardisierungsausschuss der Deutschen Nationalbibliothek. Im Jahr 2011 wurde die Direktorin der NB zur Vizepräsidentin der CENL gewählt. Auch im Vorstand von The European Library war die NB bis 2011 vertreten. Nach der Beteiligung an der Schlagwortnormdatei der Deutschen Nationalbibliothek geht die NB einen Schritt weiter und führt demnächst die Gemeinsame Normdatei ein.

Für die Koordination in der Schweiz sorgt unter anderem die Konferenz der Universitätsbibliotheken der Schweiz (KUB), die die Direktorin von 2008-2011 präsidierte. Sie leitet auch den Lenkungsauschuss des Projekts «e-lib.ch», in dem ein Schweizer Portal für die umfassende wissenschaftliche Informationsrecherche entwickelt wird. Seit 2005 ist die NB-Direktorin Vizepräsidentin von Memoriav. Die Leiterin der GS steht der Fotokompetenzgruppe von Memoriav vor. Der Schweizer Plakatgesamtkatalog,  der von der GS koordiniert wird, bietet dank der Zusammenarbeit der unterschiedlichsten Partner eine virtuelle Schweizer Plakatsammlung, unabhängig davon, wo die physischen Objekte aufbewahrt werden. Im vom SLA initiierten KOOP-LITERA Schweiz haben die Literaturarchive der Schweiz eine international vernetzte gemeinsame Plattform.

Seit 2010 besteht die Schweizerische Konferenz der Kantonsbibliotheken, die diesen als Austausch- und Koordinationsforum dient. Auch die NB ist im Vorstand vertreten. Die Kommission der Schweizerischen Nationalbibliothek erarbeitete 2010 eine Charta der Schweizer Bibliotheken. Diese führte dazu, dass die EDK eine Arbeitsgruppe für eine national koordinierte Bibliothekspolitik einsetzte.

Informatik für die Zukunft

Damit eine Bibliothek ihren Auftrag erfüllen kann, braucht sie genügend Geld, kompetente und motivierte Mitarbeitende und eine zeitgemässe Informatik.
In der Leistungsauftragsperiode 2009-2011 stellte der Bund der NB total 113,4 Millionen Franken zur Verfügung.

Unsere Mitarbeitenden sind nicht nur kompetent, sondern auch sehr motiviert. Das zeigen uns die positiven Feedbacks aus dem Kreis der Benutzenden und die guten Resultate in den Personalumfragen 2009 und 2011. Die Benutzenden reagieren in der Regel selbst dann mit Verständnis, wenn sie etwas nicht so bekommen können, wie sie es sich wünschen - weil sie es freundlich erklärt bekommen.

Unsere IT-Umgebung ist in die der Bundesverwaltung integriert. Damit sind wir in der Büroautomation auf der Höhe der Zeit, bei einigen bibliotheksspezifischen Anwendungen aber im Rückstand. Eine neue Strategische Informatikplanung soll uns helfen, diesen aufzuholen. In den kommenden Jahren wollen und müssen wir optimale Voraussetzungen für eine digitale Bibliothek schaffen. Auch wenn das Papier bleiben wird: Die Zukunft ist digital.

Im Gedenken an Charlotte Kerr Dürrenmatt

Auch eine öffentlich finanzierte Institution ist auf das Engagement von Privaten angewiesen. Eine unserer grosszügigsten Donatorinnen ist am 28. Dezember 2011 verstorben: Charlotte Kerr Dürrenmatt. Auf ihren Mann, den Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt, geht die Gründung des SLA zurück. Sie selbst war die treibende Kraft bei der Errichtung des Centre Dürrenmatt Neuchâtel (CDN). Bis zu ihrem Tod war sie Vizepräsidentin des Beirats und unterstützte verschiedene Anlässe und Publikationen des CDN wie des SLA finanziell. Charlotte Kerr Dürrenmatt wird uns als leidenschaftliche Kämpferin für das Werk eines grossen Schweizer Schriftstellers in Erinnerung bleiben.

Marie-Christine Doffey
Direktorin


Zuletzt aktualisiert am: 03.06.2012

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