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Das OAIS-Modell

Das Archivierungssystem wird gemäss den Vorgaben des generischen Modells Open Archival Information System (OAIS) aufgebaut.

OAIS hat sich als Referenzmodell für die digitale Archivierung bei Bibliotheken und Archiven weltweit durchgesetzt. Es ist ein strikt logisches Modell und damit unabhängig von jeder Implementation. Es leistet einen grossen Beitrag zu einem gemeinsamen Verständnis bezüglich der digitalen Archivierung und einer gemeinsamen Sprache in diesem Bereich.

Das als ISO 14721 verabschiedete Referenzmodell beschreibt ein Archiv als Organisation, in dem Menschen und Systeme mit der Aufgabenstellung zusammenwirken, Informationen zu erhalten und einer definierten Nutzerschaft verfügbar zu machen. Das Modell beschreibt im Detail, wie die von einem Produzenten hergestellte elektronische Information in ein Archivsystem gelangen soll, welche Bearbeitungsschritte für die langfristige Archivierung vorgenommen werden müssen und wie auf die im Archiv gespeicherte Information zugegriffen werden kann.

Das OAIS-Referenzmodell
© Consultative Committee for Space Data Systems
Das Modell regelt im Wesentlichen, wie ein von einem Produzenten (Producer) hergestelltes Objekt (SIP = Submission Information Package) in das Archivierungssystem integriert wird (Ingest). Es wird nach dessen Integration in ein Archivierungsobjekt (AIP = Archival Information Package) umgewandelt und im Speichersystem (Archival Storage) abgelegt. Die Verwaltung des Objekts erfolgt im Verwaltungsmodul (Data Management). Das archivierte Objekt wird via Benutzungsmodul (Access) an den Benutzer (Consumer) unter Einhaltung sämtlicher rechtlicher Einschränkungen als Benutzungsobjekt (DIP = Dissemination Information Package) ausgeliefert. Die Langzeitarchivierung in Form von Migration und Emulation der Objekte wird im Konservierungsmodul geplant (Preservation Planning). Die Verwaltung des gesamten Archivierungssytems erfolgt im Administrationsmodul (Administration). Die Arbeitsabläufe sind im Wesentlichen vergleichbar mit den klassischen Arbeitsabläufen einer Bibliothek mit gedruckten Beständen. Die Schwierigkeit beim Aufbauen und Erhalten einer elektronischen Sammlung liegt in den zu archivierenden Objekten. Sie bestehen aus mehreren direkt voneinander abhängigen Komponenten, die für deren Lesbarkeit vorhanden sein müssen (Hardware, Betriebssystem, Programm, Publikation).

Das OAIS-Modell definiert sechs Hauptfunktionen:
1. Preservation Planning (Archivierungsplanung)
- Verfolgen der Technologieentwicklung und Entwickeln von Empfehlungen in Bezug auf Archivierungsstandards und -politik
- Überwachen der Archivierungsbemühungen
- Ausarbeiten von Empfehlungen für die Erhaltung der Lesbarkeit der gespeicherten Information
- Planen von Datenmigrationen und Kopiervorgängen
2. Ingest (Datenübernahme)
- Übernahme der vom Produzenten erzeugten SIPs (Submission Information Packages)
- Überprüfung auf Vollständigkeit und Unversehrtheit
- Umwandlung der SIPs in AIPs (Archival Information Packages)
- Extraktion der beschreibenden Information für die Findmitteldatenbank
- Übermittlung der AIPs an den Archivspeicher
- Mitteilung an das Data Management
3. Data Management (Datenverwaltung)
- Verwaltung der beschreibenden Informationen (Datenbank), die Archivbestände und Dokumente identifizieren, sowie weiterer Daten, die für den Umgang mit dem Archivgut notwendig sind
- Entgegennahme und Bearbeitung von Anfragen (queries) aus dem Nutzungsbereich
4. Archival Storage (Archivspeicher)
- Aufbewahrung und Erhaltung der AIPs
- Erstellen von Backups
- Regelmässige Prüfung der Datenintegrität
- Wiederherstellungsmechanismen für Notfälle
- Weitergabe von AIPs an Access für die Nutzung
5. Access (Nutzung)
- Benutzerinterface
- Ermöglichen von Recherchen und Generieren von Antworten mit Beschreibung der AIPs und Angaben zu deren Verfügbarkeit
- Empfangen und Verarbeiten von Datenanfragen (requests), Umwandeln der AIPs in DIPs (Dissemination Information Packages) und Ausliefern der DIPs an die Benutzer
- Sicherstellen der Einhaltung von Zugriffsberechtigungen
6. Administration
- Steuerung der Gesamtabläufe im OAIS und seiner Aussenbeziehungen
- Konfiguration von Hard- und Software
- Vergeben von Zugriffsrechten
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Zuletzt aktualisiert am: 10.04.2011

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